Zum Bericht „Religionskrise in der Koalition“ (Bayernteil):
Es wird aus mehreren Gründen höchste Zeit, den konfessionell gebundenen Religionsunterricht in den Schulen zu hinterfragen und zu reformieren. Der entsprechende Artikel in der Bayerischen Verfassung ist zu einer Zeit beschlossen worden, als der Anteil nicht-christlicher Kinder und Jugendlicher minimal gewesen ist, weshalb es lange Jahre das Fach Ethik gar nicht gab. Das hat sich aber radikal geändert, was an dem enormen Zulauf zum Ethikunterricht zu sehen ist. Und bald sollen die islamischen Schüler noch eigenen Religionsunterricht bekommen? Leisten wir damit der viel beschworenen Integration nicht eher einen Bärendienst? Ein Werteunterricht für alle wäre die sinnvolle Alternative, zumal dann das Kooperieren und Tolerieren Andersgläubiger und nicht das Separieren im Vordergrund stehen würde. Damit würden die Klassen nicht entsprechend aufgeteilt in „wir und die anderen“, und alle würden eine religionsübergreifende Bildung erfahren. Noch heute erhalten Religionslehrer nicht von staatlicher, sondern von kirchlicher Seite ihre Lehrerlaubnis. Dieser alte Zopf sollte abgeschnitten werden! In den Schulen in kirchlicher Trägerschaft kann das gerne wie bisher gehandhabt werden, aber bitte nicht in staatlichen. Rund 6,02 Millionen der im Freistaat lebenden Menschen sind katholisch, etwa 2,2 Millionen sind evangelisch; das sind gut 62,5 Prozent der rund 13,18 Millionen Menschen in Bayern, in ganz Deutschland nicht einmal mehr die Hälfte – vom Prozentsatz der praktizierenden Christen ganz zu schweigen, ob das nun bedauerlich ist oder nicht, sei dahingestellt.
Martin Piper
Bad Endorf