Wo ist eigentlich die „Grande Nation“?

von Redaktion

Zum Bericht „Berlin stellt Paris in den Schatten“ (Politikteil):

Seit zwei Jahren sind die staatlichen Hilfen für die überfallene Ukraine nun Dauerthema. Der größte Helfer ist die EU mit rund 85 Milliarden Euro, gefolgt von den USA mit über 70 Milliarden Euro. Darüber hinaus leisten einzelne europäische Länder Hilfe, insbesondere Deutschland (22 Milliarden), gefolgt von Großbritannien (14 Milliarden). Unser großes Nachbarland Frankreich landet mit zwei Milliarden Euro abgeschlagen auf dem letzten Platz. Seine geringe Hilfsbereitschaft wird von Kleinstaaten wie Dänemark (vier Milliarden) und Norwegen (7,6 Milliarden) weit übertroffen. Für dieses geizige „Sich-weg-ducken“ müsste sich die „Grande Nation“ eigentlich schämen. Dass es 2024 die Olympischen Spiele ausrichten und daher sparen muss, ist keine überzeugende Entschuldigung. Großbritannien leidet unter den wirtschaftlichen Folgen des Brexit, insbesondere Arbeitskräfte- und Nahrungsmittelmangel. Und trotzdem konnte es die Ukraine mit einem hohen Betrag unterstützen, weil es im Unterschied zu Frankreich über die nötige Empathie verfügt. Im Falle von Deutschland ergibt sich ein ähnliches Bild. Seit 2015 haben wir unter der Devise „Wir schaffen das!“ Millionen Migranten aufgenommen, ohne dass uns Frankreich nennenswert unterstützt oder entlastet hätte. Daran kann man ablesen, was die viel beschworene deutsch-französische Freundschaft wert ist. Auch die Religion kann man zum Vergleich heranziehen. Sankt Martin, welcher seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hat, ist der französische Nationalheilige. Angesichts ihres schäbigen Ukraine-Almosens hat man den Eindruck, als ob die Franzosen noch nie etwas von ihm gehört oder ihn inzwischen vergessen hätten.

Ulrich Kretzschmar

Prien

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