Wird Urteil dem Tierleid gerecht?

von Redaktion

Zur Berichterstattung über das Urteil im „Horrorstall-Prozess“ (Regionalteil):

Was muss denn noch passieren, damit Tierquälern endlich mal klar gemacht wird, dass sie nicht damit durchkommen? Am letzten Verhandlungstag war ich in Rosenheim als Zuhörerin im Saal. Das Plädoyer des Staatsanwalts war sehr eindringlich und nachvollziehbar: Es wurden Tiere über einen längeren Zeitraum sich selbst überlassen, was zu einem Horrorszenario führte: 33 tote Kühe – zum Teil in Gülle vergraben und in verschiedenen Stadien der Verwesung. Es darf angenommen werden, dass die Tiere vor ihrem Tod lange gelitten haben. 89 Tiere, noch lebend, aber in schlechter Verfassung, und 35 Tiere, deren Verbleib ungeklärt blieb. (Es gab wohl Knochenfunde auf einem benachbarten Feld. Warum ist man den fehlenden Tieren nicht nachgegangen?)

Ich war nach der Urteilsverkündung hin- und hergerissen. Einerseits finde ich es – wie der Richter ausgeführt hat – nachvollziehbar, dass die Gesamtsituation und die psychische Verfassung des Angeklagten im Urteil mit einzufließen haben. Andererseits frage ich mich, ob die Bewährungsstrafe und die Auflagen dem Vergehen an fühlenden, leidensfähigen Lebewesen gerecht werden. Der Landwirt darf weitere fünf Jahre keine Tiere halten, seit einem Jahr hat er ohnehin keine mehr. Er hat noch andere Einnahmequellen, also eher „business as usual“. Ich frage mich, wie das Urteil – und der Aufschrei aus der Bevölkerung – ausgefallen wäre, wenn es sich um Hunde, Katzen oder Pferde gehandelt hätte. Es sollte kein „Kavaliersdelikt“ sein, Tiere durch Unterlassen zu quälen und zu töten. Mittlerweile sind, fast ein Jahr später, in einem Stall in Söchtenau – nur wenige Kilometer von Rimsting entfernt – 400 tote Hühner in einem Stall gefunden worden. Wie da wohl die Entscheidung ausfallen wird?

Marika Steinsailer

Bruckmühl

Schon traurig, dass Tiere immer noch eine Sache sind. Das Urteil ist ein Schlag ins Gesicht. Wer seine Tiere so leiden sieht und schreien hört, kann kein Tierfreund sein. Der Landwirt hätte dringend Hilfe gebraucht! Die gibt es sicher auch für Bauern, sonst wird alles schlimmer und schlimmer. Ein Tierverbot für immer wäre angebracht gewesen.

Marianne Hellthaler

Neubeuern

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