Zum Bericht „Industrie beklagt Stromausfälle“ (Titelseite) und zum den Leserbriefen „Politische Traumwelten“ über die deutsche Energiepolitik:
Irgendwo im Bericht über die Stromausfall-Umfrage bei der Industrie steht zwar: „Wirklich repräsentativ dürfte die Umfrage nicht sein. Das räumt auch die Industrie- und Handelskammer ein.“ Aber die Aufmachung des fett gedruckten Titels (an zwei Stellen der Ausgabe) vermittelt den Eindruck, dass irgendeine Absicht hinter dieser negativen Aufmachung stecken könnte. Tatsache ist, dass seit Jahren Deutschland bei der Kontinuität der Stromversorgung in der Spitzengruppe Europas liegt. Jeder kann die Daten der Bundesnetzagentur abrufen: im Jahr 2022 lag die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung eines Letztverbrauchers pro Jahr für das Haushaltsnetz bei zwei Minuten und im Mittelspannungsnetz (Industrie) bei zwölf Minuten. Bei diesen Zahlen werden zwar – wie richtig erwähnt – die kurzen Unterbrechungen unter drei Minuten nicht erfasst, aber sie beweisen dennoch, dass das deutsche Netz eine vorbildliche Stabilität aufweist. Die Unterbrechungen sanken übrigens – trotz zunehmender volatiler erneuerbarer Energien – von 2006 bis 2022 auf die Hälfte!
Dr. Bernhard Liesenkötter
Rosenheim
Herr Kammerloher hat mit Akribie nachgewiesen, dass Deutschland in Bezug auf Strom nicht autark ist und zu bestimmten Zeiten Überschussstrom billig exportiert. Tatsache ist aber, dass Deutschland nie bei Strom autark war, da Strom in Form von Uran, Gas sowie Öl und Steinkohle aus fragwürdigen Ländern importiert wurde. Der Ausbau von Erneuerbaren erhöht hingegen unsere Stromautarkie. Zu den wirtschaftlichen Daten liefern seine mikroskopischen Betrachtungen keine sinnvollen Aussagen. Hier wäre eine Jahresbetrachtung der Importe und Exporte unter Berücksichtigung stark schwankender Preise erforderlich. Wieder ein Beispiel, wie aus einzelnen Daten, unter Vernachlässigung der Komplexität, der Öffentlichkeit falsche politische Schlüsse präsentiert werden.
Günter Lange
Kiefersfelden