Zum Interview „Wir brauchen genau diese Strecke“ mit Alexander Dobrindt (Regionalteil):
Erstens: In der öffentlichen Diskussion wird ständig behauptet, die deutsche Seite sei in Verzug, in Österreich und Italien sei man schon viel weiter. Das ist falsch, auf deutscher Seite wurde schon vor 25 Jahren als erste Baustufe für den Brenner-Nordzulauf die Strecke Rosenheim-Kufstein für eine höhere Leistungsfähigkeit ausgebaut. Diese konnte nie ausgenutzt werden, weil der Brennerbasistunnel in Verzug ist.
Zweitens: Ferner wird ständig gefordert, dass der Bedarf noch geprüft werden müsse. Diese plausibel erscheinende Forderung suggeriert, dass der Umfang der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene erst noch geprüft werden müsste. Die Notwendigkeit, den Brenner-Nordzulauf so auszubauen, dass diese Verlagerung möglich wird, wird nicht bestritten. Lediglich der Bedarf für eine Ausbaugeschwindigkeit von 230 km/h ist äußerst fragwürdig, denn allein diese Forderung kann mit dem Ausbau der Bestandsstrecken nicht erfüllt werden und ist der einzige Grund für den Neubau.
Drittens: Das Konzept der Bürgerinitiativen sei ungeeignet, um die verkehrlichen Ziele des Bundesverkehrswegeplans umzusetzen. Auch dem muss widersprochen werden. Das Alternativkonzept erfüllt das Ziel, den prognostizierten Verkehr der kommenden Jahrzehnte aufzunehmen, besser als die Neubaustrecke. Es wird die Überlastung des zweigleisigen Abschnitts Grafing-München und des Knotens München vermieden. Außerdem wird durch den Ausbau der Strecken München-Mühldorf-Salzburg und Rosenheim-Mühldorf-Landshut eine ganze Region besser erschlossen.
Viertens: Durch die zwei Neubaustreckengleise werde die Leistungsfähigkeit des Schienennetzes wesentlich erhöht. Die dadurch erreichbare höhere Leistungsfähigkeit kommt zehn Jahre später als mit dem Alternativkonzept.
Gerhard Müller
Rosenheim