Zum Bericht „Mieten enteilen den Einkommen“ (Politikteil):
Die Situation der Mietpreisentwicklung wird in München als besonders schwierig beschrieben, weil die Einkommen zwar rund 30 Prozent über dem Bundesschnitt liegen, die Mieten aber rund 80 Prozent darüber. In konkreten Zahlen sieht das aber völlig anders aus: Nehmen wir an, ein Bürger in einer Durchschnitts-Stadt verdiene 5000 Euro (netto) und zahle 1000 Euro Miete – er hat also 4000 Euro verfügbares Einkommen. In München verdient er, den im Artikel genannten Zahlen nach, 6500 Euro und zahlt 1800 Euro Miete, er hat also 4700 Euro verfügbares Einkommen. Das sind fast 18 Prozent mehr, als der Bürger in der Durchschnitts-Stadt übrig hat – nix mit schwierig. Gegenüber dem Berliner hat der Münchener sogar 36 Prozent mehr Einkommen übrig nach Abzug der Miete und beim Düsseldorfer sind es zwar schmale zwei Prozent, aber immer noch eben zwei Prozent mehr.
Wie kann das sein? Es liegt daran, dass sich die 30 Prozent Mehreinkommen des Müncheners auf die gesamten Einnahmen beziehen, die 80 Prozent Mehrausgaben aber nicht auf die gesamten Ausgaben, sondern nur auf einen Teil der Gesamtausgaben, während die sonstigen Ausgaben nicht diesem Aufschlag unterliegen. Aber: Je höher die Miete im Verhältnis zum Nettoeinkommen, desto mehr verändert sich die Rechnung. Das Netto-Durchschnittseinkommen je Arbeitnehmer in Deutschland beträgt in 2023 laut Statista 2426 Euro und keine 5000 Euro. Dennoch, selbst bei diesem Einkommen, bliebe die Bilanz des Müncheners immer noch positiv.
Jürgen Keil
Vagen