Man muss sich auch mit den Tatsachen befassen

von Redaktion

Zum Interview „Man muss auch Mut haben“ (Regionalteil) und zum Leserbrief „Wer CSU wählt, wählt den Nordzulauf“ (Leserbriefseiten):

Die neue Grünen-Abgeordnete Victoria Broßart fordert zu Recht, dass Politiker Mut haben müssen. Diese Forderung sollte aber auch dann gelten, wenn es darum geht, wichtige Entscheidungen vorzubereiten. Da sollten Mandatsträger auch den Mut haben, nicht nur Parteiparolen nachzuplappern, sondern Entscheidungen auf der Grundlage von Daten und Fakten zu treffen.

Die Vorschusslorbeeren, die der OVB-Redakteur verteilt, dass sich Victoria Broßart als Ingenieurin mit Schiene und Technik auskennt, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn es so wäre, müsste sie wissen, dass die Bestandsstrecke für den Brenner-Nordzulauf eben nicht unverändert seit 1858 im Betrieb ist, sondern immer wieder ertüchtigt wurde. Schon vor 25 Jahren wurde durch das bayerische Inntal die erste Baustufe des Nordzulaufs verwirklicht. Dadurch erreichte man eine Kapazität von 280 Zügen pro Tag.

Derzeit nutzen nur etwa 180 Züge diese Strecke. Wenn alle digitalen Möglichkeiten genutzt, einzelne Engpässe beseitigt und schon vorhandene Ausweichrouten ertüchtigt würden, könnte die Kapazität ohne zusätzliche Neubaugleise weiter gesteigert werden. Die wünschenswerten Ziele, den Zulauf zum Brennerbasistunnel nicht zu behindern und mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern, lassen sich auf diese Weise schneller, billiger und nachhaltiger erreichen.

Franz-Josef Ruhsamer

Rohrdorf

Es ist bemerkenswert, wie Leserbriefautor Fischbacher den Kampf gegen den Brenner-Nordzulauf zur politischen Stimmungsmache gegen die CSU und den CSU-Ortsverein nutzt. Dabei wird bewusst ignoriert, dass sich gerade Vertreter der CSU – allen voran Maria Haimmerer – seit Jahren aktiv gegen den Neubau einsetzen. Wer regelmäßig an Veranstaltungen gegen die Trasse teilnimmt, weiß das. Statt sich sachlich mit Argumenten auseinanderzusetzen, wird ein einseitiges Feindbild gezeichnet. Die Realität sieht anders aus: Die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) hat eine Anhörung im Verkehrsausschuss erwirkt, um die Planungen kritisch zu hinterfragen und zu verbessern. Wenn Herr Fischbacher pauschal behauptet, „Wer CSU wählt, wählt den Nordzulauf“, sollte er sich fragen, wie sein eigener SPD-Bürgermeister dazu steht. Denn auch in der SPD gibt es viele klare Befürworter des Projekts – eine Tatsache, die in seinem Schreiben wohl bewusst verschwiegen wird. Es wäre an der Zeit, die Debatte über den Brenner-Nordzulauf mit Sachlichkeit zu führen, um für unsere Heimat das Maximum zu erreichen, statt sie für politische Zwecke zu missbrauchen.

Marion Ellmaier

Rohrdorf

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