Zum Bericht „Fassungslosigkeit und Forderungen“ (Regionalteil):
Der Schuldige ist immer schnell gefunden, und dass nach so einem Vorfall ein Aufschrei nach mehr Kontrollen kommt, ist nicht verwunderlich.
Leider wird bei solchen mit gesundem Menschenverstand nicht erklärbaren Vorkommnissen die offenbar schuldige Seite zu wenig gehört. Das Urteil über die Schuldfrage ist doch schon nach der ersten Pressemitteilung gefallen. Die Frage ist aber: Was läuft im Vorfeld schief, damit ein Mensch, der über viele Jahre ein ganz normaler Landwirt war, so viel Kraft und Lebensfreude verliert, dass er es nicht mehr schafft, für seine ihm anvertrauten Tiere zu sorgen.
Ich bin selber Landwirt und weiß wovon ich spreche, wenn ich behaupte, dass neben möglichen anderen Faktoren hauptsächlich die Vorschriften, Aufzeichnungspflichten, Verbote und die vielen praxisfremden Regelungen mürbe und unzufrieden machen. Ein aktuelles Beispiel ist die Weidepflicht bei Biobetrieben vom 1. April bis 31. Oktober. Eine völlig praxisfremde Terminvorgabe und das Aus für viele Biobetriebe, die die Weidehaltung nicht umsetzen können.
Als Landwirt muss man sich ständig rechtfertigen, ob man alles richtig macht, und bekommt keine Wertschätzung mehr von der Bevölkerung. All das nimmt einem die Freude an der Landwirtschaft – mit unterschiedlichen Auswirkungen auf den Betrieb. Entweder Augen zu und sich durch den Wahnsinn an Vorschriften schlängeln. Oder den Betrieb aufgeben. Oder im schlimmsten Fall den Absprung verpassen, weil man doch irgendwie an den Tieren hängt, mit den dann eben jetzt wieder erlebten, irgendwie nicht erklärbaren Folgen.
Mehr Kontrolleure werden solche Fälle nicht verhindern können und hier Kritik am Veterinäramt zu üben ist völliger Unsinn und lenkt von der falschen politischen Weichenstellung ab.
GottfriedAicher
Halfing