Zum Bericht „Todesangst wegen Ökoterroristen“ (Politikteil) und „Öffnet Tür und Tor für Selbstjustiz“ (Regionalteil):
Die Attacke von sogenannten „Aktivisten“ auf den Bauernhof von Günther Felßner ist einer von vielen Punkten, die einen zweifeln lassen, ob die Gesellschaft überhaupt noch etwas mit dem Begriff „Demokratie“ anfangen kann.
Demokratie heißt Mehrheitsbeschluss. Andere Argumente respektieren und akzeptieren, wenn es die Mehrheit so haben möchte. Es gibt auch noch die Möglichkeit von einem Kompromiss, aber dazu muss ich miteinander reden und gemeinsam nach einer Lösung suchen.
Man müsste sich engagieren, sich für seine Überzeugung über den Dialog politisch einsetzten. Dort wo meine Argumente gut sind, erreiche ich auch eine „Mehrheit“. Man wird aber das Gefühl nicht los, das immer mehr Menschen mit Angst und Schrecken ihren Willen mit Gewalt durchsetzen wollen. Sie sind dumm genug, nicht zu verstehen, dass sie damit zwar eventuell einschüchtern, aber nicht einen Einzigen von der Richtigkeit ihrer Argumente überzeugt haben. Dabei verlieren Sie sogar oft den Überblick ihrer eigenen Argumentation.
Wie oft hört man die Frage, warum etwa ein Jurist für das Verkehrsministerium, ein Industrieller für das Bildungsministerium, oder ein Schriftsteller für das Wirtschaftsministerium bestimmt wird. Immer mit der Anschlussfrage: Gibt es keine Fachleute für diese Ämter? Wird aber ein Fachmann eingesetzt, dann wird er mit Sicherheit als Lobbyist beschimpft und plötzlich wissen Millionen Laien, die sich weder jemals in die Materie eingelesen haben, noch auch nur ein einziges Mal ihren Finger für die Allgemeinheit krumm gemacht haben, wie es besser gehen würde. Jeder sollte – bevor er kritisiert – sich die Frage stellen, ob er selbst dieses Amt mit seinen Argumenten öffentlich ausüben und Verantwortung dafür übernehmen würde.
Hartmuth Lang
Waldkraiburg