Rote Karte für die E-Patientenakte

von Redaktion

Zum Bericht „Jetzt kommt die E-Patientenakte“, Bayernteil:

Die Fakten sind im Artikel gut dargestellt. Zu Risiken und Nebenwirkungen sollten Sie aber Ihren Arzt fragen: erst im Dezember 2024 hat der Chaos Computer Club auf dem Kongress in Hamburg dargelegt, wie einfach es ist, trotz höchster Sicherheitsstandards mit wenig Hilfsmitteln auf alle 70 Millionen Patientenakten zuzugreifen. Im Januar 2025 wurden wir von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns informiert, dass die Firma D-Trust, ein Tochterunternehmen der Bundesdruckerei und verantwortlich für die Erstellung der elektronischen Praxisausweise, Ziel eines Hackerangriffes war, bei dem Daten entwendet wurden. Ist es wirklich sinnvoll, in Kenntnis dieser Tatsachen seine sensibelsten Daten zentral speichern zu lassen? Wo ist der Vorteil für den Patienten? Wenn ich heute als Zahnarzt eine Operation plane, kann ich mich nicht auf alte und ggf. unvollständige Daten verlassen, da jeder Patient individuelle Löschungen veranlassen kann. Letztlich kann ich für einen geplanten chirurgischen Eingriff auch nicht nach Aktenlage entscheiden, ob die Schwere einer gegebenenfalls vorliegenden Herzerkrankung eine Operation erlaubt. Hier ist trotz einer umfangreichen Sammlung von Befunden eine individuelle Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erforderlich, um die Gesundheit des Patienten nicht zu gefährden. Als aktuell einziger Vorteil verbleibt die Medikamentenliste, die bislang aber auch mit einem Bruchteil des Aufwandes per gesicherter Datenleitung zu erhalten war. Also viele Risiken, hohe Gefahr von Nebenwirkungen und hohe Kosten, die der medizinischen Versorgung entzogen werden. Aus zahnärztlicher Sicht sollte der elektronischen Patientenakte die Rote Karte gezeigt werden.

Dr. Axel Wiedenmann

Prien

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