Zum Bericht „Die Befreiung Bayerns dauerte 40 Tage“, Bayernteil:
Menschenverachtende Ideologien brachten Leid, Tod und Verwüstung in Europa und Asien in bisher ungekanntem Ausmaß. Es ist wesentlich, dass die Erinnerung an das Geschehene, dessen Ursachen und Folgen bleibt. Richard von Weizsäcker hat zum 40. Jahrestag der Kapitulation erstmals von Befreiung gesprochen, was große Kontroversen auslöste.
Natürlich war die Beendigung des Naziterrors eine Befreiung und der Beginn der Demokratie im Westen. In der Ostzone wurde der real existierende Sozialismus mit all seinen Schatten eingeführt. Am schlimmsten erging es der Bevölkerung in den ostdeutschen Provinzen. Für sie war die „Befreiung“ die Hölle. Hier waren Vergewaltigung, Mord, Raub, Entrechtung an der Tagesordnung, was schließlich in der Vertreibung von über 13 Millionen Deutschen aus ihrer Heimat gipfelte. Ein in diesem Umfang in der Weltgeschichte bis dato unerreichtes Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Menschenrechte, dem auch die westlichen Siegermächte zustimmten. Oft wird die Erinnerung durch den Verweis auf deutsche Verbrechen mundtot gemacht, als ob es je nach Ideologie eine beliebige Geschichtsdarstellung gäbe. In der DDR war das Thema streng tabu. Umso wichtiger ist es, gerade auch diesen Teil der deutschen Geschichte in Schulen, Gedenktagen, Museen und Medien lebendig zu erhalten und kein einseitiges Geschichtsbild zuzulassen.
Wolfgang Matschke
Rott