Zur Berichterstattung über das Milliarden-Projekt Brenner- Nordzulauf (Regionalteil):
In der Diskussion über den Brenner-Nordzulauf wird eine Prognose des zukünftigen Verkehrs gefordert. Prognosen sind nur möglich, wenn man Ziele für den zukünftigen Verkehr vorgibt. Die Frage ist: Wie viele Züge sollen über den Brenner fahren und was müssen wir tun, um das zu erreichen? Das ist dann die „Prognose“, die auch eintritt! Aktuell fließen über den Brenner 50 Millionen Tonnen Fracht, davon 35 Millionen per Lkw und 15 Millionen per Bahn (Quelle: www.bbtinfo.eu/verkehr-am-brenner).
Wir müssen mit zwei Prozent Wachstum pro Jahr rechnen, das sind in 20 Jahren 50 Prozent Zuwachs und somit 75 Millionen Tonnen Gesamtfracht über den Brenner. Mit Lkw werden wir weiterhin nur 35 Millionen Tonnen transportieren können, weil der Ausbau der Autobahn bei uns nicht wünschenswert und in Österreich nicht möglich ist. Dann muss die Bahn 75 Millionen Tonnen abzüglich 35 Millionen Tonnen, also 40 Millionen Tonnen Fracht transportieren, um den Warenverkehr aufrechtzuerhalten. Das ist eine Steigerung um 170 Prozent.
Für einen Zuwachs von 170 Prozent brauchen wir vier Gleise über den Brenner, zwei der Altstrecke und zwei der Neubaustrecke. Wer mit zwei Gleisen auskommen will, sollte sich fragen, was bei der geringsten Betriebsstörung – oder noch schlimmer – bei Instandhaltungsmaßnahmen passiert. Ohne eine Ausweichmöglichkeit auf die Alternativstrecke und Verknüpfungsstellen steht der Verkehr!
Ich bin auch für den Ausbau der Strecken München-Mühldorf-Freilassing und Landshut-Mühldorf-Rosenheim, wie er von den Gegnern der Neubaustrecke gefordert wird. Aber insbesondere bei der Strecke Landshut-Mühldorf-Rosenheim wird massiver Widerstand entstehen. Es muss Schluss sein mit Egoismen und dem Verschieben von Verantwortung!
Dr. Christian Sievi
Stephanskirchen