Exen gehören abgeschafft – Gebt den Schülern mehr Zeit

von Redaktion

Zur laufenden Berichterstattung über die aktuellen Abiturprüfungen und die Debatte um Exen (Bayernteil):

Meine Mutter kam aus dem kommunistischen Jugoslawien und ich übernahm von ihr kein gutes Deutsch. Mein deutscher Vater erlaubte es uns nicht, zweisprachig zu sein. Als ich in den 1980er-Jahren eingeschult wurde, waren wir 34 Schüler und meine Lehrer hatten einen straffen Lehrplan und dafür keine Zeit.

Sie gaben ein enormes Tempo vor. Weil dies für mich in dieser kurzen Zeit nicht zu bewältigen war, kam ich nach der zweiten Klasse in eine Sonderschule für Lernbehinderte. In der 6. Klasse reifte in mir der Wunsch, wieder zurück auf die Regelschule zu gehen. Dies gelang erst zum Zwischenzeugnis in der 8. Klasse auf Probe. Obwohl ich kurz einen Leistungsabfall hatte, gelang es mir, mit der freiwilligen 10. Klasse die Volksschule mit dem Notendurchschnitt von 2,642 abzuschließen. Bei der damaligen Deutschen Bundespost musste ich auf der kaufmännischen Berufsschule ein Berufsgrundschuljahr in Wirtschaft und Verwaltung einfach nur bestehen. Ich verbesserte mich auf den Notendurchschnitt von 2,07.

Meines Erachtens haben wir kein schlechtes Schulsystem, aber der Druck und das Tempo müssen deutlich reduziert werden. Durch meine Ausbildung erreichte ich die Qualifikation für den Besuch einer höheren Schule des Kollegs und Gymnasiums. Lasst die Kinder einfach Kinder sein und lest sie nicht zu früh aus. Die Schule muss wieder zu einem Ort der Bildung im Sinne des lateinischen Spruches „Non scholae sed vitae discimus!“ werden. Schüler sollen also in der Schule das nötige Handwerkszeug für das Leben erlernen. Manches neu erlernte Wissen muss sich im menschlichen Geist erst setzen, bevor es verstanden wird. Es könnte sein, dass das erlernte Wissen erst Jahre später begriffen wird. Gebt den Schülern die Zeit, die sie brauchen und überfordert sie nicht.

Christian Kosalec

Rosenheim

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