Der Klimakiller Nummer eins

von Redaktion

Zu den Berichten „So sicher ist das deutsche Stromnetz“ und „Blackout wegen Erneuerbaren“ (Politikteil):

Das Umspannwerk ist ein wichtiger Knotenpunkt in unserem Netz, der die Versorgungssicherheit Bayerns maßgeblich stärkt und die weitere Integration erneuerbarer Energien unterstützt. Seit der ökologische Umbau der Stromversorgung läuft, absolvieren die Netzbetreiber Einweihungen am laufenden Band. Ständig muss irgendwo ein Solar- oder Windpark angeschlossen werden. Und oft handelt es sich um ingenieurtechnische Großleistungen, wie bei vielen Umspannwerken. Nur: Das kleine Wörtchen „gasisoliert“ macht jede Feierstunde fast schon wieder zunichte. Es bedeutet nichts anderes, dass in die stromführenden Leitungsbündel des Umspannwerks das Gas Schwefelhexafluorid gepumpt wird. SF6, so die Abkürzung nach der chemischen Summenformel, verhindert als Isoliergas das Auftreten von Lichtbögen und Kurzschlüssen. Doch Risiken und Nebenwirkungen gibt es auch: SF6 ist ein Klimakiller sondergleichen. Kein Netzbetreiber mag das technische Hilfsmittel derzeit missen. Aus Sicht des Hardware-Herstellers Siemens hat SF6 „über Jahrzehnte eine betriebs- und personensichere Schalt- und Isolationstechnik unter Beweis gestellt“ und „die Integration erneuerbarer Energien ermöglicht.“ Das ist zwar richtig. Doch handelt es sich bei SF6 auch um das am stärksten wirkende Treibhausgas der Welt. Neben dem Klimakiller SF6 wirkt das omnipräsente Verbrennungsprodukt Kohlendioxid (CO2) relativ harmlos. Im Zuge der Energiewende kommt das Gas dennoch immer stärker zum Einsatz. Jedes neue Windrad oder Solarkraftwerk ist auf perfide Weise für die Proliferation des stärksten Klimakillers der Welt mitverantwortlich. Wenn Netzbetreiber wie Tennet, Amprion oder 50Hertz inzwischen einhellig beteuern, SF6 ausmustern zu wollen, gilt wohl immer eine Einschränkung: dort, wo es möglich ist.

Wenzel Schuster

Töging

Artikel 2 von 11