Otter ist nicht schuld am Fischrückgang

von Redaktion

Zum Bericht „Ein Fisch kann nicht schreien“ (Regionalteil):

Und wieder wird es polemisch, politisch und einfach nur peinlich. Alles, was dem Vereinsfrieden oder dem eigenen Hobby schadet, wird verfolgt, bekämpft oder totgeschwiegen (Kormoran, Otter und so weiter). Dass es einen Rückgang an Fischpopulationen gibt, liegt nicht am Otter, sondern an Stauwehren, Turbinen, Sedimenteintragungen, Gülle/ Dünger und Pestiziden sowie an Gewässerbegradigungen und das Entfernen von natürlichen Strukturen in den Gewässern – das alles ist ursächlich dafür verantwortlich.

Auch die zahlreichen Angelvereine tragen dazu bei, man hat Neozoon eingesetzt und heimische Arten fast ausgerottet. Man züchtet in Teichen Zombies, setzt diese zum Wettangeln aus und wundert sich über fehlende Fluchtreflexe. Früher gab es vielleicht 50 Mitglieder im Verein, heute 200 bis 300 Mitglieder, aber die Gewässerstrecke des Vereins ist immer noch die gleiche.

Der Otter macht, was er machen muss. Er frisst, um zu überleben. Wenn er nur bestimmte Teile selektiert, dann ist das bei einem Überangebot an Nahrung der Fall (zum Beispiel Fischteiche).

Redet mit den Nutzern der angrenzenden Flächen (der eigenen und der zuführenden Gewässer) über die Eintragung von Fremdstoffen in die Gewässer. Redet mit dem Gewässerwart über unnatürliche Hindernisse bei der Fischwanderung. Redet mit einem „unabhängigen“ Biologen über Neozoon. Redet mit den Mitgliedern, wie viele Meter Gewässer jedes Vereinsmitglied zur Verfügung hat. Redet mit Menschen, die nicht ein Hobby ausüben, welches so in die Umwelt/Natur eingreift. Redet mit Fischzüchtern, welche Menge an Antibiotika jährlich verwendet werden.

Aus Spaß Fische fangen, ist heutzutage ein Luxushobby. Fische züchten und von einem Beitrag zur Natur zu reden ist Müll, wenn nicht die wirklichen Ursachen des Fischrückgangs angegangen werden.

Stefan Bertram

Chiemgau

Der Fischotter ist eine heimische Art, die ab den späten 1950er-Jahren in Bayern durch den Mensch fast ausgerottet war und ab Mitte der 90er-Jahre allmählich zurückkehrte. Dass es dadurch mitunter und besonders in der Teichwirtschaft Probleme geben kann, ist unbestritten.

Im besagten Artikel wird jedoch vor allem die Art, wie der Fischotter jagt, angeprangert. Das ist reißerisch und hat mit einer sachlichen Auseinandersetzung nichts zu tun. Prädatoren jagen nun mal andere Tiere und sie schläfern sie nicht ein, bevor sie sie fressen. Egal, ob der Fischotter in Bayern, der Grizzly beim Lachsfang in Kanada, der Leopard in Afrika auf Antilopenjagd oder der Wolf, wenn er Reh oder Hirsch reißt. Das ist Natur und Prädatoren gehören zu jedem Ökosystem.

Zur Info: In der Fischerei leiden und verenden jämmerlich jeden Tag tausende Tonnen Fisch. Das interessiert niemanden.

Dass der Fischotter Fische frisst, die unter Artenschutz stehen, ist nicht seine Schuld. Unter Artenschutz stehen diese Fischarten (wie so viele andere Arten) deshalb, weil der Mensch die Bestände durch die Zerstörung ihrer Lebensräume an den Rand ihrer Existenz bringt. Und es ist auch der Mensch, der die Natur aus dem Gleichgewicht bringt.

Katharina Schlegl-Kofler

Rosenheim

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