Zum Kommentar „Dank Musk zurück auf der Überholspur“ (Politikseite):
Der Artikel zur E-Mobilität enthält interessante Beobachtungen zur Entwicklung der deutschen Hersteller – doch eine Aussage darin wirft Fragen zur journalistischen Sorgfalt auf: Elon Musk habe sich „lieber dem Abriss der Demokratie“ gewidmet als der Weiterentwicklung seiner Fahrzeuge.
Eine solche Behauptung ist nicht nur haltlos, sondern schlicht unredlich. Man muss Musk nicht mögen – aber man sollte anerkennen, was er geleistet hat. Ohne ihn wäre die Elektromobilität heute kaum da, wo sie ist. Tesla hat die Branche gezwungen, umzudenken. Erst durch diesen Druck haben sich deutsche Konzerne ernsthaft auf den Weg gemacht, E-Autos konkurrenzfähig zu entwickeln.
Elon Musk war Wegbereiter, nicht Nachzügler. Dass seine Autos heute stagnieren mögen, ändert nichts daran, dass er die Industrie revolutioniert hat. Ihm jetzt zu unterstellen, er würde sich dem „Abriss der Demokratie“ widmen, ist keine Kritik mehr – das ist Rufschädigung. Wenn sich Journalismus auf solche Formulierungen einlässt, verlässt er den Boden der Differenzierung und reiht sich in eine Lagerdenke ein, die selbst demokratieschädlich ist.
Demokratie bedeutet nicht, die Meinungen Einzelner zu dämonisieren, sondern sie auszuhalten – selbst wenn sie unbequem sind.
Ein Bericht über Markttrends sollte sich nicht in tendenziösen Bewertungen von Einzelpersonen verlieren. Wenn deutsche Hersteller heute aufholen, ist das eine gute Nachricht – aber kein Anlass, sich in moralischer Selbstgefälligkeit über den Mann zu erheben, der ihnen überhaupt erst den Weg geebnet hat.
Andreas Einsele
Sauerlach