Zum Interview „Wird jetzt das Schnitzel wieder bezahlbar?“ (Wirtschaftsteil):
Auf Platz drei der am schlechtesten bezahlten Jobs in Deutschland liegen Berufe im Tourismus-, Hotel- oder Gaststättengewerbe. Hier liegt das Durchschnittsgehalt bei 2634 Euro pro Monat. Der mittlere Bruttoverdienst in Deutschland liegt bei 3698 Euro. Die Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt. Und dann lese ich solch eine Aussage von der Spitze des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga: „Es arbeiten so viele Menschen in der Gastronomie, weil die Jobs so attraktiv vergütet sind.“
Da muss man sich erst einmal die Augen reiben, tief Luft holen und dasselbe noch einmal lesen – und siehe da, es steht wirklich so geschrieben. Wenn ich so etwas lese, frage ich mich schon, wie weit die Spitze der Dehoga von der gastronomischen Realität entfernt ist? Zum Verständnis: Von einem attraktiven Gehalt ist das Hotel- und Gaststättengewerbe leider noch weit entfernt.
Vielleicht sollten die Dehoga-Verantwortlichen sich einmal vor Ort ein Bild machen und mit den Mitarbeitenden sprechen, was ihre Beweggründe sind, in der Gastronomie zu arbeiten? Die Mitarbeitenden haben auf alle Fälle mehr verdient, als lediglich von ihrem Gehalt leben zu können.
Man kann von seinem Verdienst leben, interpretiere ich so, dass niemand hungern muss und das reicht. Solche Aussagen sind wenig wertschätzend und sind den Mitarbeitenden aus der Gastronomie und Hotellerie nicht würdig. Aussagen wie diese tragen auch in keiner Weise dazu bei, die erforderlichen Mitarbeitenden für die Gastronomie und Hotellerie zu gewinnen.
Die anderen Branchen freuen sich über großartige neue Kollegen. Ich würde mir wünschen, dass nach solchen Aussagen die Gewerkschaft und Betriebe, denen Ihre Mitarbeitenden wichtig sind, Sturm laufen.
Volker Neufang
Prien