Nachtfahrverbote und eine dritte Lösung

von Redaktion

Zu den Berichten über die Zukunft der Kampenwandbahn (Regionalseiten):

In dem Prozess zwischen Bund Naturschutz und Kampenwandbahn hat das Gericht die Parteien aufgefordert, vor einem Urteil einen Kompromiss zu finden. Ich könnte mir einen Neubau vorstellen, wenn die Bahn sowohl auf die staatlichen zehn Millionen Euro sowie auf sämtliche Nachtfahrten verzichtet. Die zehn Millionen Euro Zuschuss könnten stattdessen als Spenden aufgebracht werden. Die Aschauer Bürger waren von dem Neubau so begeistert, dass das Geld schon zusammenkommen wird. Frei nach dem Motto: „I gangad gern auf d’Kampenwand, wann i mit meiner Wampn kannt. Drum brauch i a Seilbahn mit Gewinn, dass i wieder auffi kim.“

Lothar Obermeier-Zacherl

Bernau

Man könnte den Streit um den Neubau der Kampenwandseilbahn als Randthema aus der oberbayerischen Provinz abtun. Doch seit der BR-Sendung „jetzt red i“ hat der Konflikt überregionale Aufmerksamkeit. Denn die Auseinandersetzung um die Gondeln von 1957 steht sinnbildlich für eine Politik der verpassten Chancen.

Die Debatte über Tourismusprojekte wird seit Jahren zu einem falschen Gegensatz zwischen hemmungslosem Wachstum und dem Abwehren unkontrollierter Besucherströme verzerrt. Tatsächlich steht der Chiemgau vor der Herausforderung, mehr Qualitätstourismus anzuziehen und mit jenen Regionen zu konkurrieren, die seit Jahrzehnten strategisch investiert haben.

Ein Blick nach Aschau zeigt das Problem: Das einzige bessere Hotel ist in die Jahre gekommen, Geschäfte stehen leer. Das deutet auf zu wenig, nicht zu viel Tourismus hin. Ähnliches gilt für Prien, wo ein dringend benötigtes Jugendherbergsprojekt per Bürgerentscheid scheiterte und unweit einer Unesco-Welterbestätte Sattelzüge und Autokolonnen kaum zum Flanieren einladen.

Wenn die BR-Diskussion eines gezeigt hat, dann dies: Wir stehen nicht an einem Wendepunkt. Der läge, wenn überhaupt, Jahrzehnte zurück – in jenen Jahren, in denen Salzburg, Tirol, Südtirol massiv in Tourismus und Infrastruktur investierten. Sicher ist dort nicht alles Gold, was glänzt. „Overtourismus“ ist real. Doch im Chiemgau stellt sich eher die Frage, welches Maß an wirtschaftlicher Stagnation wir hinnehmen wollen? Die „guten alten Zeiten“ kehren nicht zurück. Um den Verfall der Infrastruktur aufzuhalten, müsste man sie erst einmal aktiv bewahren. Intelligente Erneuerung, nachhaltiger Tourismus und verträgliches Wachstum wirken da fast schon wie ein Wunschtraum aus der Vergangenheit.

Berthold Rittberger

Rimsting

Dass eine Bergbahn nach 70 Jahren technisch überholt, vielleicht sogar neu gebaut werden muss, dafür habe ich Verständnis. Was aber nur von einer Frau kurz angesprochen wurde und mir viel zu wenig thematisiert wird: Angeblich wurden pro Jahr 75 Sonderfahrten bis nachts um 1.30 Uhr beantragt und angeblich auch genehmigt.

Das bedeutet: jeden Samstag und jeden zweiten Sonntag Lärm und Verkehr bis tief in die Nacht. Das hat mit naturnahem und nachhaltigem Tourismus nichts zu tun. Das grenzt schon an Party-Tourismus à la Ballermann. Welche Behörde genehmigt so etwas und was denken sich die Verantwortlichen dabei ?

Harald Höller

Raubling

Die Modernisierung der Kampenwandbahn in der jetzigen Art ist sehr wohl möglich. Dieser entscheidende Punkt ist in der Fernsehsendung „Jetzt red i“ sehr klar geworden, das Horrorszenario „Dann gibt es irgendwann keine Ersatzteile mehr“ (Ministerin Kaniber) ist gegenstandslos.

Am Beispiel der 120 Jahre alten Schweizer Stanserhornbahn wurde von einem Seilbahnspezialisten deutlich gemacht, wie man Nostalgie und modernste Technik verbinden kann. Was für eine interessante „dritte Möglichkeit“ für das umstrittene Projekt, denn dieser Nostalgieflair der Kampenwandbahn scheint die Gäste ja nicht abzuhalten, sondern geradezu anzulocken, wie das hervorragende touristische Ergebnis in Aschau deutlich zeigt.

Der Wunsch nach Ruhe und echtem Bergerlebnis, das diese „Nostalgie“ ausdrückt, wird angesichts der steigenden Belastung der Menschen weiter zunehmen.

Es ist dringend nötig, dass in den kommenden Gesprächen diese „Schweizer Lösung“ ernsthaft miteinbezogen wird, die zeitliche Verzögerung könnte sich so gerade auch für den Betreiber langfristig als positiv erweisen.

Da bei dem Projekt auch sehr viel öffentliches Geld im Spiel ist (man spricht von zehn Millionen Euro), erscheint es als Pflichtaufgabe der Politik – von der kommunalen Ebene bis zum Ministerium –, diese nachhaltigere Lösung zu unterstützen, bei der die Natur auf der Kampenwand nicht der komplette Verlierer wäre.

Helge Holzer

Prien

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