Krankenkassen sollten auch bei sich selbst sparen

von Redaktion

Zum Bericht „Krankenkassen warnen vor Beitragsplus“ (Politikteil):

Durch den demografischen Wandel und die allgemeine Kostensteigerung steigen natürlich auch die Kosten unseres kompletten Gesundheitssystems. Zusätzlich schlagen die – prinzipiell willkommenen – Fortschritte in der Entwicklung neuer Medikamente und Behandlungsmethoden spürbar auf die Kosten durch. Gezielte Einsparungen und auch strukturelle Änderungen sind wohl nötig, um ein ungebremstes Steigen der Krankenkassenbeiträge zu verhindern.

Interessant ist dabei die Reaktion der Krankenkassen selbst. Sie haben vielfältige Vorschläge, wo und bei wem sie Einsparungen für nötig halten. Überraschend (oder auch nicht) ist, dass die Krankenkassen selbst bei den Sparvorschlägen nicht vorkommen.

Gerade dieser Tage hat Jens Baas, höchstverdienender Chef der Techniker-Krankenkasse (Jahresgehalt 2024 rund 400.000 Euro)‚ „grundsätzliche Systemänderung“ gefordert. Auch wenn diese Einsparungen allein das Gesundheitssystem nicht sanieren würden, aber ganz sicher gehört zu den unnötigen Kosten die Tatsache, dass es in Deutschland fast 100 gesetzliche Krankenkassen mit entsprechendem Verwaltungsaufwand und teuren Chefposten gibt.

Wenn Jens Baas „Ineffizienzen“ im Gesundheitssystem beklagt, vergisst er zu erwähnen, dass diese in den Krankenkassen nicht zu übersehen sind: Als ehemaliger Apothekenleiter mit fast 40 Jahren Berufstätigkeit fällt mir da auf, dass 162.000 Fachkräfte (2024) in den öffentlichen Apotheken die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung mit weniger als der Hälfte der Kosten leisten, als die Krankenkassen mit deutlich weniger Mitarbeitern für die Verwaltung ausgeben. Ob die Krankenkassen da nicht mal bei sich selbst zu sparen anfangen sollten?

Dr. Johannes Huber

Ampfing

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