Für Femizid gibt es keinen „Anlass“

von Redaktion

Zum Bericht „Offener Brief nach Frauenmord“ (Politikteil):

In ihrem Artikel steht: „Anlass für die Tat ist in den allermeisten Fällen eine tatsächlich oder befürchtete Trennung oder Untreue der Frau.“ Das genannte Zitat zum Thema Femizid ist aus mehreren Gründen problematisch: Es suggeriert, dass das Verhalten der Frau schuld an der Gewalt sei. Das ist eine gefährliche Täter-Opfer-Umkehr. Allein der Täter trägt die Verantwortung für seine Taten.

Die Formulierung verharmlost die Schwere des Verbrechens, in dem es von einem „Anlass“ spricht, als gäbe es eine Rechtfertigung für Mord. Es reduziert die Komplexität der Ursachen von Femiziden auf einen einzelnen Faktor. Tatsächlich spielen oft patriarchalische Strukturen, toxische Männlichkeit und ein Besitzdenken gegenüber Frauen eine Rolle.

Der Begriff „Untreue“ impliziert ein Fehlverhalten der Frau und lenkt vom eigentlichen Problem ab: der tödlichen Gewalt gegen Frauen. Stattdessen sollten wir uns darauf konzentrieren, wie wir als Gesellschaft Femizide verhindern können: durch Aufklärung, Prävention und konsequente strafrechtliche Verfolgung.

Dr. Heike Sponfeldner

Mühldorf

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