Zum Bericht „Wendelstein-Werkstätten machen Mut“ (Regionalseiten):
Ich frage mich, welche Ansätze einem hier Mut machen? Im Gegenteil, vielmehr heißt es aufgrund dieses Artikels und des Besuchs des bayerischen Ministerpräsidenten, den Mut aufzubringen, sich gegen dieses segregierende System der Ausbeutung von Menschen mit Behinderung aufzulehnen – zumindest wie es in unserer Region ausgestaltet ist, wo jene Personengruppe entgegen der UN-Behindertenrechtskonvention in Sondereinrichtungen gehalten und diese aktuell nicht zuletzt seitens der deutschen Politik unterstützt werden.
Wir befinden uns in einer Situation wie Mitte des 19. Jahrhunderts, als Menschen mit Behinderung vorwiegend in kirchlichen Institutionen beschäftigt wurden. Auch heutzutage und obwohl diese für große Unternehmen arbeiten, erhalten sie lediglich ein monatliches Taschengeld von 200 bis 230 Euro, was einem Stundenlohn von 1,30 bis 1,50 Euro entspricht.
Nur aus diesem Grund kann man den wirtschaftlichen Faktor, allerdings entgegen jeglicher Menschenrechte, begründen. Von Inklusion oder Teilhabe (geschweige denn am ersten Arbeitsmarkt) braucht man hier nicht reden.
Jeder Mensch hat das Recht, seine Potenziale, Fähigkeiten und Interessen zu verwirklichen und dafür auch einen entsprechenden Lohn und Stellenwert inmitten der Gesellschaft zu erhalten. Nur so können wir sicherstellen, dass die Würde eines jeden sichergestellt wird.
Julia Holzer
Großkarolinenfeld