Bahninfrastruktur am letzten Zacken

von Redaktion

Zum Bericht „Gefahrgut-Waggon entgleist: Raubling entgeht knapp einer Katastrophe“ (Regionalseiten):

Nach über 30 Jahren Privatisierung der Bahn steht es nun massiv an. Die Behebung der Folgen der Entgleisung bei Raubling dauert nun Wochen. Es fehlt an Standby-Material, Fachkräften aller Sparten, Gleisbaumaschinen und zig Genehmigungen. Jeder Schotterumladeplatz ist zu bestellen und zu genehmigen. Anlieger, Gemeinden, Landkreis und Naturschutz sind zu beteiligen. Grundproblem der DB Infrastruktur: Es fehlt eine ganze Generation technischer Kräfte.

Ich habe bei der Bundesbahn gelernt, die Lehrwerkstätten wurden 1994 geschlossen. Meine Werkmeisterausbildung hatte ich in der Fernmeldeschule München-Aubing, die Schule wurde 1994 geschlossen. Die Firma Mannesmann (auch vier Jahre im Bahnsystem) ermöglichte mir berufsbegleitend die Meisterschule. Diese Förderung gibt es seit 2000 nicht mehr.

Jede größere Bahnmeisterei hatte vor 1994 einen eigenen Fuhrpark (zum Beispiel Schienenkleinfahrzeuge, Stopfmaschinen, Schweißtrupp und Gleislager). Auch mittlere Baumaßnahmen konnten intern durchgeführt werden. Jetzt ist beim Tausch von zehn Schwellen eine Fachbaufirma zu bestellen.

Noch 1992 war es möglich, in drei Tagen eine neue Weichenstraße und eine Hilfsblockstelle einzurichten. Jetzt dauert die Einreichung einer Betriebsanweisung schon Wochen. Es wird leider noch schlechter.

Walter Fleps

Großkarolinenfeld

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