Strukturelle Probleme im deutschen Gesundheitswesen

von Redaktion

Zu den Berichten über mögliche Reformen im deutschen Gesundheitswesen (Politikteil und Leserbriefseiten):

Der Beitrag „Frei: Bei Gesundheit kürzen“ greift ein reales Problem auf, bleibt in der Ursachenanalyse jedoch unvollständig. Deutschland zählt zu den Ländern mit den höchsten Gesundheitsausgaben weltweit, erreicht im internationalen Vergleich jedoch nur durchschnittliche Leistungen. Dieses Missverhältnis ist kein Zufall, sondern Ausdruck struktureller Fehlentwicklungen.

Ein wesentlicher Faktor liegt in der Organisation des Systems. Neben rund 100 gesetzlichen und privaten Krankenkassen bestehen zusätzliche Ebenen wie die Kassenärztlichen Vereinigungen und deren Bundesorganisation, die ausschließlich für die Abrechnung der gesetzlichen Krankenversicherung zuständig sind. Trotz weitgehend einheitlicher Abrechnungsverfahren entstehen dadurch erhebliche Verwaltungs- und Koordinationskosten, ohne dass sich dies positiv auf die Versorgungsqualität der Beitragszahler auswirkt. Im Gegenteil: Die Zwei-Klassen-Medizin ist längst real. Hinzu kommen kostenintensive Strukturen im Arzneimittelbereich, in denen komplexe Regelwerke und langfristige Bindungen die Ausgaben nur begrenzt steuerbar machen.

Diese systemischen Ursachen werden in der öffentlichen Debatte jedoch selten thematisiert. Wenn nun erneut über Leistungskürzungen für Beitragszahler gesprochen wird, droht wieder eine Verlagerung der Lasten auf die Falschen. Eine nachhaltige Reform müsste dort ansetzen, wo die strukturellen Ineffizienzen liegen. Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz könnten dazu beitragen – vorausgesetzt, sie dienen dem Nutzen der Versicherten und nicht der Verfestigung bestehender Strukturen.

Ralf Moormann

Bad Aibling

Der Leserbrief hat mir aus der Seele gesprochen. Obwohl die Autorin selber Akademikerin ist, hat sie richtig erkannt, dass die Lebensleistung sehr entscheidend sein muss, sehr zum Gegensatz zum Autor eines anderen Leserbriefes, der anscheinend Nichtakademiker als Menschen zweiter Klasse ansieht. Er sieht das Studium als große Entbehrung.

Die meisten Lehrlinge hatten zu dieser Zeit ab 1967 keine 80 Mark, dafür werden sie von der Rentenversicherung betrogen. Lehrbeginn war mit 14 Jahren, aber die höhere Aufrechnung für die Ausbildung erhalten sie nicht, da diese erst mit Erreichen des 17. Lebensjahres angerechnet wird. Da waren die meisten mit der Ausbildung fertig.

Da Österreich eine ähnliche Struktur aufweist wie Deutschland. habe ich eine Analyse aus dem Jahre 2022 zugrunde gelegt. 35-jährige Personen haben mit Hochschulabschluss eine Lebenserwartung bei Männern von 84 Jahren – mit Pflichtschulabschluss nur 77,1 Jahre. Das sind 6,9 Jahre mehr. Bei Frauen ist die Lebenserwartung 87,4 Jahre zu 82,8 Jahren. 4,6 Jahre mehr.

Da die Debatte immer von der höheren Lebenserwartung ausgeht, muss man diese zusätzlichen Rentenjahre der Akademiker auch mit einrechnen.

Die Arbeiterklasse gönnt sich im Normalfall auch keine Auszeit, welche in den Beitragsjahren fehlt. Zur Information: Ich habe mit 27 Jahren den Bautechniker und Meister erworben.

Martin Winklmair

Grassau

Artikel 3 von 8