Zum Bericht „Jerwa ist Geschichte, doch ihre Botschaft bleibt“, Lokalteil:
Ich durfte die Neurologie in Vogtareuth, zu der auch die Jerwa gehörte, in den letzten zwei Jahren als Supervisor begleiten und kann bestätigen, dass es sich um ein außergewöhnliches Projekt handelte mit einem besonderen Team, das sich sowohl durch eine ungewöhnlich hohe fachliche Kompetenz als auch seine Menschlichkeit und vor allem das unglaublich große Engagement für ihre Patienten auszeichnete.
Die „Konzentration auf Exzellenzbereiche“ heißt nichts anderes als Fokussierung auf die medizinischen Fachgebiete, die am meisten Rendite versprechen.
Der große moderne OP-Bereich in Vogtareuth muss ausgelastet werden, und im Kinder- und Jugendbereich werden wegen des hohen Betreuungsaufwands hohe Tagessätze bezahlt. Man muss sich immer wieder vor Augen halten: Die Einnahmen eines Krankenhauses bestehen quasi zu 100 Prozent aus dem Geld, das es von Krankenkassen bekommt zur Behandlung von Patienten.
„Rendite“ im Gesundheitswesen bedeutet nichts anderes, als dass ein Teil dieses Geldes (bei der Schön-Klinik dürften es deutlich mehr als zehn Prozent sein) eben nicht in die Patientenversorgung fließt, sondern in die Taschen von Investoren oder Eigentümern.
Diese haben keinen Versorgungsauftrag wie kommunale Krankenhäuser, sondern können sich die Bereiche herauspicken, mit denen sich am meisten Geld verdienen lässt.
Damit schaden sie letztlich dem gesamten System.
Daniel Walz
Rosenheim