Zum Bericht „Merz bekräftigt Kritik an hohem Krankenstand“, Titelseite:
Friedrich Merz hat auf einer IHK-Veranstaltung den Deutschen faktisch vorgeworfen, „zu faul“ zu sein, zu wenig zu arbeiten. Das ist die blanke Arroganz der Macht.
Diese Aussage verkennt die Realität eines Landes, das seit Jahren auf Verschleiß läuft. Millionen Menschen arbeiten Vollzeit, Überstunden inklusive, in Pflege, Industrie, Handwerk, Logistik, Bildung und Verwaltung. Sie stemmen eine der höchsten Steuer- und Abgabenlasten der Welt, zahlen explodierende Energiepreise, Mieten und Lebenshaltungskosten und sollen sich nun vom Kanzler sagen lassen, sie seien bequem?
Wenn Wachstum fehlt, wenn Produktivität stagniert, wenn Investitionen ausbleiben, dann liegt das angeblich an der „Mentalität“ der Bürger, nicht an Fehlanreizen, Bürokratie, kaputter Infrastruktur, ideologischer Energiepolitik oder einem Staat, der Leistung bestraft und Nichtleistung belohnt. Wer ernsthaft Wohlstand sichern will, muss die Rahmenbedingungen reparieren: wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Regulierung, schnellere Genehmigungen, niedrigere Abgaben auf die Arbeit, verlässliche Industriepolitik, funktionierende Bildung. Stattdessen bekommen die Leistungsträger Moralpredigten. Der Staat verschwendet Milliarden und scheut dafür jede Verantwortung. Besonders zynisch ist der Vorwurf, dass Menschen am Limit arbeiten, körperlich wie mental. Merz hätte die Chance gehabt, Leistung zu würdigen und Reformen zu benennen. Er entschied sich für Belehrung. Wohlstand entsteht nicht durch Beschimpfungen, sondern durch Respekt, klare Politik und faire Bedingungen für diejenigen, die dieses Land jeden Tag am Laufen halten.
Walter Hübel
Waldkraiburg