Zum Bericht „Gesund essen: Es geht auch günstig“ (Leben/Medizin-Seiten):
Der gutgemeinte und insgesamt brauchbare Artikel wärmt aber wieder ein vor allem bei allwissenden Influencern beliebtes Märchen auf: Die Autorin, Ernährungswissenschaftlerin Bianca Meraner, empfiehlt aus Essig und Natron (= Backpulver) eine „Lauge“ herzustellen, um damit Pestizide von Orangenschalen zu entfernen. Das hört sich gut an, da Essig und Natron sich in jedem Haushalt finden und deswegen als harmlose Stoffe gelten. Allerdings hat Frau Meraner während der Ökotrophologie-Ausbildung im Fach Chemie anscheinend geschlafen. Während sich mit Essig oder Backpulver einzeln immerhin schwache Reinigungslösungen herstellen lassen, verlieren sie ihre geringe Wirkung völlig, sobald man sie mischt. Dass es dabei eindrucksvoll durch die freigesetzte Kohlensäure sprudelt, ändert nichts daran, dass dadurch lediglich eine wässrige Lösung von Natriumacetat entsteht, deren Reinigungswirkung die von Wasser nicht übertrifft. Außerdem ist es völlig unsinnig, damit Pestizide von Orangen- oder Mandarinenschalen entfernen zu wollen. Diese Stoffe sind erstens nicht nennenswert wasserlöslich und zweitens isst ja kein normaler Mensch diese Früchte mit der Schale. Sinnvoll kann es aber durchaus sein, sich nach dem Schälen die Hände zu waschen, bevor man die Frucht verzehrt.
Dr. Johannes Huber
Ampfing