Zu den Berichten über den schleppenden Ausbau bei der Deutschen Bahn (Regionalseiten und Leserbriefseiten):
Das OVB berichtet, dass für den dringend benötigten Ausbau der Bahnstrecke München – Mühldorf – Salzburg (ABS38) die nötigen 115 Millionen Euro fehlen. Das wäre eine absolute Katastrophe und ein weiteres Dokument der Unfähigkeit der Bahn und des Verkehrsministeriums.
Jeder Laie sieht, dass eine zweigleisige elektrifizierte Verbindung München – Mühldorf – Salzburg eine der dringendsten Bahn-Bau-Maßnahmen ist. Die Bahn selbst stuft das Projekt mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von 2,7 als zweitwichtigstes der 14 wichtigsten Bahnvorhaben in Deutschland ein. Wenn keine 100 Millionen mehr da sind, um ein Projekt weiter zu führen, dass fast dreimal so viel Nutzen wie Kosten hat, wie will man dann die weitere Planung am Projekt Neubau Brenner-Nordzulauf rechtfertigen, bei dem schon die bis August 2025 angefallenen Kosten nach Angaben der Bahn bei 105 Millionen Euro lagen? Woher soll das Geld für eine unnötige, umwelt- und naturschädigende Neubautrasse kommen, die schon nach Angaben der Bahn 9.827 Millionen Euro (zu Preisen 2025 ohne die zu erwartenden Kostensteigerungen) kosten wird?
Der europäische Rechnungshof weist in seinem aktuellen Sonderbericht bei transnationalen Verkehrsprojekten auf durchschnittliche (inflationsbereinigte) Kostensteigerungen von 82 Prozent hin. Der zu erwartende Mehrverkehr nach Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels kann ohne die rechtzeitige Fertigstellung der ABS38 nicht bewältigt werden. Ohne vorherige Fertigstellung der ABS38 darf es auch keine Korridorsanierung mit halbjährigen Sperren der Strecken München – Rosenheim und Rosenheim – Salzburg geben.
Prof. Dr. Roland Feindor
Rosenheim
Die im Leserbrief genannten Argumente sollen nicht unkommentiert bleiben. Die aufgrund der Bundestagswahl verschobene Entscheidung hat die Bürgerinitiativen nicht wieder aktiviert. Die haben sich nicht schlafengelegt! Auch ist der Alternativvorschlag des Planungsbüros Vieregg-Rössler nicht neu und der Planungsprozess muss auch nicht von vorne beginnen.
Wie im Leserbrief richtig beschrieben, ist der Ausbau des Ostkorridors (Strecke Mühldorf-Rosenheim) Teil des Vieregg-Rössler-Konzept, aber warum ist er nicht realisierbar? Die Deutsche Bahn hat einen riesigen Investitionsstau vor sich – auch die oben genannte Strecke. Das bedeutet keineswegs einen Komplettumbau des Bahnhofs Rosenheim.
Der Vergleich zu Stuttgart 21 wird angeführt. Aber wenn der Umbau des Rosenheimer Bahnhof schon problematisch ist, welche Probleme würde dann wohl die aktuelle Strecke zuerst über den Inn, dann unter dem Samerberg und unter dem Inn im berüchtigten Rosenheimer Seeton nach sich ziehen? Da ist das Vieregg-Rössler-Konzept die wesentlich realistischere, risikoärmere und vor allem wesentlich kostengünstigere Variante.
Die Strecke ist seit 1871 in Betrieb, ohne dass es Probleme mit dem Untergrund gab. Vielleicht sollte man statt den Samerberg und den Inn die Orte zwischen Grafing und Rosenheim untertunneln, Das wäre wesentlich günstiger, man könnte die Wernhardsberger Kurve herausnehmen – und das Ganze auf erprobten Untergrund.
Der politische Auftrag besteht nicht darin, die Bahnstrecke zwischen München und der Landesgrenze viergleisig auszubauen. Er besteht darin, eine ökologische und zukunftsfähige Infrastruktur zu schaffen, die zum einen eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene ermöglicht und zum anderen einen leistungsfähigen ÖPNV garantiert.
Hans Winhart
Ostermünchen