Zum Bericht „Bremst Streit Aschaus Modernisierung?“ (Regionalseiten):
Es entsteht hier der Eindruck, dass die Österreicher es mit ihren Bergbahnen viel besser machen als wir: „Während in Aschau gestritten wird, laufen ähnliche Projekte in Österreich reibungslos“, heißt es im Bericht. Nur, so ähnlich sind sich die Projekte und örtlichen Gegebenheiten eben nicht: Wesentlich ist beim Vergleich mit Zauchensee: Dort geht es um ganz andere Dimensionen, die Berge sind höher und schneesicherer (Tal rund 1.000 Meter, Berg rund 2.200 Meter – gegenüber Aschau Tal 626 Meter, Berg: Lifte bis etwa 1.450 Meter) und die zur Verfügung stehenden Flächen sind viel größer (45 Pistenkilometer, im Verbund sogar 760, gegenüber zwölf Kilometern in Aschau).
Zudem ist ein ausgelasteter Seilbahnbetrieb in Aschau während der Wintermonate auch auf diesen zwölf Kilometern, selbst bei bester Modernisierung, nicht vorstellbar – und erst recht nicht bei einer Kapazitätserweiterung auf das Dreifache.
Hierdurch will man wohl versuchen, diese Verluste plus Investitionskosten im Sommer durch ein „Noch mehr“ an Fahrgastzahlen zu kompensieren. Aber wo sollen diese Massen an Touristen oben alle hin, ohne Störung der Natur?
Übrigens hat Österreich nicht unbedingt eine Vorbildfunktion im Umgang mit Landschaft und Natur. Deutscher und österreichischer Alpenverein kritisieren massive Investitionen in Liftprojekte und Eingriffe in sensible Hochgebirgslandschaften. Wäre es da nicht klüger, die Bahn ohne eine so immense Kapazitätserweiterung zu sanieren? Gegen Letztere wenden sich die Naturschützer, nicht gegen eine Modernisierung.
Aschau wird es kaum schaffen, Flachau als Weltcup-Standort Konkurrenz zu machen, aber vielleicht sollte man unsere idyllische feingliedrige, noch naturnahe Voralpenlandschaft als einen Schatz bewahren?
Dr. Erwin Rupprecht
Bad Endorf