Verkehrschaos hausgemacht

von Redaktion

Zum Bericht „Westbahn und BRB rechnen mit DB ab“ (Politikteil):

Als langjähriger Pendler Prien-München habe ich schon viel erlebt, bin gelassener geworden, habe eine Bahncard, das Deutschlandticket, stehe in Prien bei Regen ohne Dach am Bahnsteig und fahre immer noch mit der Bahn.

Neulich wollte ich mit dem RE5 um 8.16 Uhr nach Traunstein fahren. Dort hatte ich um 9 Uhr einen Termin. Falls der Zug Verspätung hätte, wollte ich mit dem Auto fahren. Laut Bahn-App sollte der Zug pünktlich sein, und ich bin rechtzeitig mit dem Fahrrad zum Bahnhof. Auf der Anzeige am Bahnsteig war alles noch okay. Ein paar Minuten vor Abfahrt kam die Ansage „Der Zug hat 25 Minuten Verspätung – Grund …“. Ich habe mich sofort aufs Rad gesetzt, damit ich mit dem Auto meinen Termin noch rechtzeitig schaffe. Auf dem Weg nach Hause sah ich den RE5 pünktlich einfahren. Zum Umdrehen war es für mich zu spät. Ärgerlich. Aber wie gesagt, ich bin gelassener geworden.

Dass die Infrastruktur der Bahn marode ist, liest man jeden Tag. Damit ist in der Regel das Schienennetz gemeint. Das Informationssystem, wo und wann die Züge fahren, ist offensichtlich genauso marode und somit dysfunktional. Die Fahrdienstleiter haben hoffentlich verlässlichere Informationen. Es wäre schön, wenn die Kunden daran teilhaben könnten.

Zudem wurde in Prien die letzte noch funktionierende Uhr an den Bahnsteigen abgebaut. Auch das ist Zeugnis der maroden Infrastruktur. Ich bin immer noch gelassen, und die Bahn arbeitet mit hoher Energie daran, dass es wieder aufwärts geht. Das Foto am Münchner Hauptbahnhof beweist es.

Hermann Schabel

Prien

Als Bahn-Pendler kann ich die scharfe Kritik von Westbahn und BRB nur unterstützen. Der Zugverkehr nach München ist zum Dauerchaos verkommen. Und es wird immer schlimmer.

Was im Bericht fehlt, ist die Benennung der politisch Verantwortlichen. Es geht um flächendeckendes Infrastrukturversagen: kaputtgesparte Schienen, verschleppte Brückensanierungen, Stillstand beim Brennerzulauf, Mautdebakel und Lippenbekenntnisse zur A8.

Allen voran Dr. Ramsauer, langjähriger Verkehrsminister und Architekt einer Privatisierungspolitik, die die Bahn systematisch heruntergewirtschaftet hat. Doch er war nicht allein. Zu seinem politischen Umfeld zählen Daniela Ludwig, heute Staatssekretärin, Klaus Stöttner aus Rosenheim und Sigfried Walch aus Traunstein – alle im CSU-Parteivorstand, alle seit Jahren damit in einflussreichen Positionen. Wer dort sitzt, entscheidet mit.

Wie fatal die Situation ist, zeigte das Zugunglück von Garmisch. Im Prozess wurde klar benannt: Kaputte Schwellen waren ursächlich. Umso befremdlicher ist es, dass Verantwortliche bis heute so tun, als ginge sie das alles nichts an – so wie beim Neujahrsempfang in Bernau mit Herrn Walch. Wohlklingende Worte über Heimat und Patriotismus, aber kein Wort über das Infrastrukturversagen vor der eigenen Haustür: Bahn, A8 oder der abgesagte Ausbau der Strecke München-Mühldorf-Freilassing.

Grotesk wirkt es dann, wenn Herr Stöttner über autonome Busse auf der Herreninsel schwadroniert, während Pendler und Güterverkehr täglich im „Tal der Tränen“ feststecken und verzweifeln, wie es kürzlich Spediteur Dettendorfer formuliert hat.

Dieses Verkehrschaos ist hausgemacht. Es hat politische Ursachen und politische Verantwortliche.

Josef Meier

Bad Endorf

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