Zum Bericht „CDU will Gutverdiener entlasten“ (Titelseite):
Laut Aussage von Carsten Linnemann soll es eine Entlastung bei der Einkommensteuer geben. Ich bin der Meinung, dass es höchste Zeit ist, sich für eine radikale Steuerreform einzusetzen. Wenn ich die Aussagen eines promovierten Endsechzigers lese, der aufgrund eines Gesprächs mit einem Reporter sagte, dass er in Vorbereitung des Interviews einen Steuerbescheid aus dem Jahr 1996 gefunden hat, der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit in Höhe von 1.187.484 DM aufführte. Die festzusetzende Einkommensteuer: Null. Und auch 2022 habe er trotz hoher Einkünfte keine Steuern zahlen müssen.
Seiner Aussage nach läuft etwas falsch in Deutschland. Wenn man in den 1990er-Jahren ein siebenstelliges Arbeitseinkommen hatte und keine Steuer abführen musste, ist es schon seltsam und zeigt, das hier etwas im Argen ist. Er habe jahrelang keine Steuern gezahlt, weil er sich ganz legal arm rechnen konnte. Ebenfalls weist sein jüngster Steuerbescheid ein Minus auf. Gerade im Immobilienbereich gibt es so viele legale Verrechnungs- und Abrechnungsmöglichkeiten, die das möglich machen.
Momentan haben wir die Situation, dass jemand mit einem Jahreseinkommen ab rund 67.000 Euro nahezu denselben Steuersatz hat wie ein Multimillionär. Das ist nicht gerecht. Es sollte die Vermögenselite härter besteuert werden. Denn deren Einkommen wird relativ schwach besteuert und ihr Vermögen fast gar nicht. Es ist ein eklatanter Fehler. Auch die Forderung der SPD, Sozialabgaben auf Miet- und Kapitalerträge aufzuschlagen, halte ich für Stückwerk. Das Problem liegt nicht bei den Finanzämtern, sondern bei unzureichenden Gesetzen und Erlassen.
Dieter Schneider
Schleching