Gefährliches rituelles Gewerkschafts-Bashing

von Redaktion

Zum Leserbrief „Kein Verständnis für Gewerkschaften“ (Leserbriefseite):

Wie das Amen in der Kirche, so ist ein rituelles Gewerkschafts-Bashing aus bestimmten Kreisen fester Bestandteil von Tarifauseinandersetzungen. Der Leserbrief strotz von faktenfreier Falschdarstellung gewerkschaftlicher Forderungen von ver.di und hinsichtlich der allgemeinen Wirtschafts- und Steuersituation. Er gipfelt in der Bewertung: „Rechnen war noch nie eine Stärke der Gewerkschaften“. Der Tarifabschluss zwischen ver.di und den Vertretern der Länder über 5,8 Prozent Gehaltserhöhung, verteilt über eine Laufzeit von zwei Jahren und drei Monaten, beweist das Gegenteil und zeugt von Verantwortungsbewusstsein. Dass die Warnstreiks teils als „nervig“ empfunden wurden, ist nachvollziehbar. Die Aussage „Die Zivilgesellschaft wird rücksichtslos in Geiselhaft genommen“, ist eine unglaubliche Entgleisung.

Sehr oft konnte ich feststellen, dass die größten Kritiker gewerkschaftlicher Forderungen als „Trittbrettfahrer“ ohne Gewerkschaftsmitgliedschaft gerne die erreichten Arbeits- und Gehaltsverbesserungen in Anspruch nahmen. Das Zerrbild über „ein Land mit höchsten Löhnen, der kürzesten Arbeitszeit und der höchsten Anzahl von Krankschreibungen“ hält keiner sachlichen Bewertung stand. Solche unsachlichen Debatten sind geeignet, die Gesellschaft zu spalten und die Demokratie zu gefährden.

Gert Hilger

Waldkraiburg

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