Hoffnung auf kluge Veränderungen

von Redaktion

Zum Bericht „Einwohnerminus alarmiert ifo-Forscher“ (Wirtschaftsteil):

Das vorausgesagte Schrumpfen der Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten ist ein Phänomen, das auf die meisten Länder dieser Erde zukommt. Wie der Biologe Henry Gee in seinem Buch „Aufstieg und Fall der Menschheit“ schreibt, wird die Gesamtfertilitätsrate (TFR) bis 2034 weltweit unter das Ersatzniveau gefallen sein (Studie von Murray et al.). Das heißt, durchschnittlich erzeugen Eltern in den meisten Ländern weniger als zwei Kinder. Ganz prekär ist etwa die Lage in Japan, Spanien oder Thailand, denen die Forscher bis 2100 ein Schrumpfen auf die Hälfte der jetzigen Bevölkerungszahl voraussagen. Auch für China wird in den nächsten Jahrzehnten eine TFR von nur 1,53 prognostiziert. In einigen afrikanischen und zentralasiatischen Nationen soll die TFR auch im Jahr 2100 noch deutlich über 2,0 liegen.

Man muss sich hier vor Augen halten, dass in den geburtenstärksten Jahrgängen Deutschlands von 1900 bis 1915 ein Geburtenüberschuss von 11,6 Millionen Menschen erreicht worden war (20 Prozent Bevölkerungswachstum), nur um zu sehen, wie dramatisch sich die Situation verändert hat. Aufstieg und Fall einer Spezies ist auf diesem Planeten vermutlich ganz einfach Normalität, und Schrumpfen bedeutet nicht völliges Verschwinden. Henry Gee deutet an, dass die Menschheit bisher immer schlau genug war, sich auf Veränderungen einzustellen und anzupassen. Überleben bedeutet unter anderem Schonung der Ressourcen, Sicherung der Nahrungserzeugung, Vernetzung, Kommunikation und Anpassung staatlicher Systeme. Grundsätzlich nützlich wäre es auch, wenn die Menschheit eine Zeit lang darauf verzichten würde, sich gegenseitig zu erschießen oder atomar zu pulverisieren.

Ferdinand Wagner

Rosenheim

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