Zum Bericht „Das Werkzeug des Revoluzzers“ (Politikteil):
Auch heute noch gilt Kurt Eisner als das „Symbol der bayerischen Revolution“ – und daher nimmt es nicht Wunder, dass sich an seiner Person die Ansichten scheiden. Da er mit seinen Anhängern von der USPD die sozialistische Revolution organisierte und die Wittelsbacher Monarchie stürzte, gilt er den Freunden der Monarchie und generell sehr reaktionären Kreisen bis heute als Hassfigur und wird immer noch gerne gehässig mit abwertenden Ausdrücken bedacht.
Besonders bedienen sich diese seine Gegner gerne antisemitischer Stereotypen und versuchen Eisner herabzusetzen. Wenn es im OVB heißt: „Eisner wurde zeitlebens angefeindet, verachtet und verfolgt“, so ist das aber nur die eine Seite der Sichtweisen.
Die andere, die der Zuwendung, hat aber deutlich überwogen und findet auch heute ebenfalls noch viele Anhänger. Denn der erste Bayerische Ministerpräsident war überaus beliebt, weil er ein Freund der Arbeiterklasse war und stets deren Interessen vertrat – in aller Klarheit und brillant formuliert.
Selbst Gefängnisaufenthalte nahm er für seine deutlichen Worte gegen die Verantwortlichen des verlorenen Weltkrieges in Kauf. Und auch 1918 verbrachte er neun Monate hinter Gittern, weil er den großen Munitionsarbeiterstreik in München organisiert hatte.
Bei der Friedenskundgebung auf der Theresienwiese am Nachmittag des 7. November 1918 zog er mit zu den Kasernen und überzeugte die Soldaten, sich an der Revolution zu beteiligen. Anschließend konstituierte sich im Mathäserbräu ein Arbeiter- und Soldatenrat. Noch in der Nacht wurde Bayern zum Freistaat erklärt.
Nachdem er am 21. Februar 1919 erschossen wurde, kam es zu einem Trauermarsch nie dagewesenen Ausmaßes. Es existieren Filmaufnahmen, die bezeugen, dass an die 100.000 Menschen seinem Sarg folgten.
Andreas Salomon
Rosenheim