Mit Schmutz werfende Moralapostel

von Redaktion

Zum Bericht „Nach Wahlsieg: Özdemir zwischen den Fronten“ (Politikteil):

Haben es die Grünen mal wieder geschafft. Ziemlich überraschend haben die Grünen die Wahl in Baden-Württemberg gewonnen. Im Oktober lagen sie noch 14 Prozent hinter der CDU.

Was ist passiert? Der CDU-Kandidat Hagel beging vor acht Jahren eine Dummheit. Just kurz vor der Wahl hat eine grüne Abgeordnete ein Video ausgegraben, in dem Hagel von einer minderjährigen Schülerin schwärmt. Nicht schön, aber was für ein „Zufall“ nach all den Jahren.

Cem Özdemir spielte den „Skandal“ generös herunter, hat natürlich von nichts gewusst. Seltsam, zwei Tage vor der Veröffentlichung traf er sich mit besagter Abgeordneten. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Außerdem riefen die jungen Grünen bei Freunden und Verwandten an und forderten dazu auf, weitere Telefonate im Schneeballsystem über die charakterliche Nicht-Eignung des CDU-Kandidaten zu führen.

Dass auch Cem Özdemir seine Skandale hatte – natürlich kein Thema. Nun ist ein Wahlkampf nie sachte, aber dass ausgerechnet die Grünen, bekannt als die größten Moralapostel, besonders perfide mit Schmutz werfen, ist sehr befremdlich. Doppelmoral-Weltmeister? Dass jetzt die Grünen, die für unsere Deindustrialisierung seit der Ampelregierung besonders verantwortlich sind, das industriestärkste Bundesland aus der Krise führen wollen, ist eine Ironie der Geschichte. Armes „Ländle“.

Anni Geuge

Waldkraiburg

Es ist jedes Mal dieselbe Leier: Die Partei mit den meisten Stimmen erklärt lautstark, die Wähler hätten ihnen den klaren Regierungsauftrag erteilt – auch bei 0,5 Prozentpunkten Vorsprung. Natürlich nicht, falls die AfD die meisten Stimmen erhält, wie im vergangenen Jahr im Osten Deutschlands bereits geschehen.

Wenn sich Manuel Hagel unbedingt zum alleinigen Ministerpräsidenten wählen lassen will, hat er zwei klare Möglichkeiten: Entweder eine Minderheitsregierung. Dann haben die Grünen immer noch die Wahl, seine Kandidatur mitzutragen. Andernfalls geben eben die AfD-Stimmen den Ausschlag. Zweitens geht auch (theoretisch) eine Mitte-Rechts-Koalition aus CDU und AfD. Das würde zumindest dem entsprechen, was die Wähler im Vergleich zu 2021 an Veränderung wünschen, weil diese beiden Parteien als einzige im Stuttgarter Landtag Zugewinne verzeichnen können.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es jedoch eine Weiter-so-Koalition werden. Die Frage ist nur, wie lange sich das Baden-Württemberg und Deutschland noch leisten können.

Josef Aicher

Halfing

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