Technologie statt Trauma

von Redaktion

Zum Bericht „Kein Zeitziel mehr für Atomendlager“ (Politikteil):

Das Bundesumweltministerium nennt kein zeitliches Ziel mehr für ein Atommüll-Endlager für Millionen Jahre. Während wir in Deutschland stagnieren, forschen und planen Länder wie die USA, Kanada und China, wobei China Reaktoren dieses völlig neuen Typs schon baut. Diese Konstruktionen – etwa Flüssigsalz- oder Thorium-Reaktoren – gelten aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften als sicher. Ein Super-GAU, wie wir ihn aus Tschernobyl kennen, ist bei diesen Modellen konstruktionsbedingt ausgeschlossen.

Das bahnbrechende Potenzial dieser Technologie liegt jedoch in der Abfallverwertung: Durch den gezielten Neutronenbeschuss sind diese Reaktoren in der Lage, bestehenden und neuen Atommüll umzuwandeln (Transmutation). Das Ergebnis wäre Abfall, der lediglich etwa 300 Jahre lang strahlt und danach nur noch die Strahlungsintensität von natürlichem Uran aufweist. Wir sprechen also über einen Entsorgungszeitraum von wenigen Jahrhunderten statt Millionen Jahren.

In kaum einem anderen Land wird Kernenergie derart diskreditiert wie bei uns. Während weltweit neue Reaktoren entstehen, scheint Deutschland im kollektiven Trauma von Tschernobyl gefangen zu sein. Dabei wurde ein Reaktortyp wie in Tschernobyl (RBMK) bei uns nie eingesetzt. Unsere Druckwasserreaktoren (DWR) folgen einer völlig anderen physikalischen Logik: Ein Grafitbrand, der die Katastrophe von 1986 befeuerte, wäre hier unmöglich, da Wasser statt Grafit als Moderator dient.

Es ist an der Zeit, dieses Trauma zu überwinden. Wir sollten Vernunft und technologischen Fortschritt in der Politik fördern, anstatt in altem Wissen und ideologischen Vorurteilen zu verharren. Neue Wege in der Kerntechnik könnten das Endlagerproblem nicht nur verkleinern, sondern technologisch lösen.

Hubert Kirmaier

Edling

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