Zum Bericht „Gratis-Döner von Söder: Hunderte stürmen Imbiss“ (Regionalseiten):
Wahlkampf mit Döner vom Söder, das darf doch wohl nicht wahr sein. Hoffentlich hat er die aus eigener Tasche bezahlt.
Gabi Aigner
Neubeuern
Wahltaktisch mag es sicherlich klug gewesen sein, dass Ministerpräsident Markus Söder anlässlich der bevorstehenden OB-Stichwahl kurzfristig nach Rosenheim kam, um den Betreiber eines Döner-Imbiss medial wirksam zu besuchen. Dem zwischenzeitlich veränderten Wahlvolk konnte so gezeigt werden, dass nicht nur die Rosenheimer SPD mit dem OB-Kandidaten Abduzar Erdogan, sondern auch die CSU mit dem noch amtierenden OB Andreas März Ansprechpartner für alle Kulturen ist. Dennoch hätten sich vielleicht mehrere Rosenheimer Wähler erhofft, dass der bayerische Ministerpräsident vor seiner Rückreise auch noch eine der wenigen im Stadtgebiet angesiedelten bayerischen Gaststätten aufsucht und sich mit einem Gastwirt bei Schweinsbraten mit Knödel für das OVB ablichten lässt.
Helmut Schmid
Rosenheim
Ministerpräsident Söder ist also „sauer“ auf die CSU-Ortsverbände vor Ort. Dem ist entgegenzusetzen, dass es Zeiten gab, in denen die Kommunalwahlen Personen-Wahlen waren, die „große Politik“ auf Landes- und Bundesebene blieb außen vor. Die Wähler gaben den Kommunalpolitikern ihre Stimme, von denen sie sich gehört und bestmöglich vertreten fühlten. Das hat sich grundlegend gewandelt, seit sich Landes- und Bundespolitiker befleißigt fühlen, ihre ungefragten Ratschläge „nach unten“ abzusetzen.
Das ist nun wohl gründlich schiefgegangen und wer wird verantwortlich gemacht? Natürlich diejenigen, die vor Ort nah am Bürger sind und für die Fehler auf höherer Ebene büßen müssen. Das kann es nicht sein, die Parteien vor Ort müssen sich höchstens fragen, ob es hilfreich war, Politgrößen in Bund und Land im Kommunal- Wahlkampf unter dem Deckmantel „Hilfe vor Ort“ eine Plattform zu bieten. Aktionen wie „Gratis-Döner mit Söder“ sind offenbar nach hinten losgegangen und wurden von wirklich politisch interessiertem Menschen bestenfalls belächelt und sind den Kandidaten, vor deren Engagement man uneingeschränkt Respekt haben sollte, gewaltig auf die Füße gefallen.
Also, liebe Kommunalpolitiker, konzentriert euch wieder auf die Sorgen und Nöte der Wähler vor Ort, stellt eure Erfolge heraus und zeigt, wie ihr die Zukunft in euren Kommunen gestalten wollt. Vermeidet die „Fehler vor Ort“ und lasst die Landes- und Bundespolitiker arbeiten, anstatt Döner zu verteilen.
Uwe Hecht
Bad Aibling
Unser Ministerpräsident macht Wahlkampfhilfe in Rosenheim. Scheinbar haben die CSU-Stichwahlkandidaten keine Argumente mehr, dass der Ministerpräsident zum Döneressen kommen muss. Das ist ja die Hauptaufgabe des Ministerpräsidenten. Er wird ja von unserem Steuergeld dafür bezahlt, dass er durchs Land fährt und Döner verteilt. Die Probleme sind alle gelöst. Dann kommt auch noch der deutsche Innenminister, der sonst nichts zu tun hat, als in Rosenheim Wahlkampfhilfe zu machen. Die Angst ist wohl groß, dass die CSU-Hochburg Rosenheim an die SPD gehen könnte. Wir werden sehen, ob die Wähler sich bestechen lassen.
Johann Hechenthaler
Rosenheim
Ich gehe gern ins Kino. Doch beim Lesen des Berichts habe ich den Eindruck, mich in einem schlechten Film zu befinden. Komödie, Tragödie oder Dokumentarfilm? Und um im Jargon der Filmwelt zu bleiben: Wer übernimmt die Produktionskosten für diesen unsäglich Wählerstimmenfang?
Karin Klar
Kolbermoor
Wenn man aktuelle Fotos unseres Ministerpräsidenten betrachtet, könnte man meinen, das neue bayerische Staatsgericht sei der Döner. Kaum eine Kamera scheint zu laufen, ohne dass irgendwo ein Fladenbrot auftaucht.
Natürlich ist gegen kulinarische Vielfalt nichts einzuwenden. Aber man fragt sich schon, ob die Staatskanzlei nichts Besseres zu tun hat, als zu einem Streetfoodblog zu werden. Während viele regionale Metzgereien und Betriebe dank der stetig wachsenden Kosten ums Überleben kämpfen, wirkt das mediale Dauer-Posieren mit dem türkischen Snack etwas seltsam.
Vielleicht wäre eine bayerische Brotzeit mal angebracht – als Signal an jene Handwerksbetriebe, die seit Generationen das Rückgrat des Freistaates bilden.
Martina Weingast
Bad Feilnbach