Zum Bericht „Schon 300.000 Reliquien-Pilger in Assisi“ (Weltteil):
Franziskus (1181/82-1226) ist als Giovanni Battista Bernardone in ein reiches Elternhaus geboren worden. Seine Jugend gestaltete er sehr ausschweifend. Ein traumatisches Kriegserlebnis veränderte sein Leben. Er stieg aus dem Wirtschaftssystem des Mittelalters aus. Franz von Assisi stellte sich in einer dramatischen Geste der Lossagung von seinem weltlichen Leben und Reichtum nackt auf den Marktplatz von Assisi. Er gründete den Franziskanerorden, die Minderbrüder. Seine Regeln waren so extrem, dass sie selbst der Kirche Angst machten. Absolute Armut. Sein „Sonnengesang“ ist weltberühmt. Franziskus ist ein faszinierendes Beispiel für eine extreme Transformation. Den Wahn des Reichtums tauschte er gegen den Wahn der Armut. Das alles tat er für seinen Gott.
Im September 1224 trat bei ihm die Stigmatisierung auf, die Wundmale Jesu. Sein Verhalten würde heute die Alarmglocken auslösen. Er wurde zum Fanatiker. Sein Umgang mit dem eigenen Körper war oft grenzwertig destruktiv. Er nannte ihn Bruder Esel. Fastete extrem, schlief auf nacktem Boden, setzte sich bewusst Kälte und Entbehrungen aus, ruinierte seine Gesundheit.
Die historische Realität war alles andere als ein sauberer Altar-Kitsch. Es wird berichtet, dass er und seine Gefährten voller Ungeziefer waren, sie wuschen sich nicht, pflegten sich nicht, sie stanken. Das Quälen des Körpers nennen wir heute Autoaggression, seine Vorführung des Leidens nennt man Narzissmus des Leidens, der sogenannte Demutsstolz.
Dieser Mangel an Vernunft führte zu einem frühen Sterben und man kann dann weniger Gutes tun. Franziskus starb mit 44 Jahren, halb blind und körperlich völlig am Ende. Man kann sein Leben als Weigerung ansehen, Verantwortung in der realen Gesellschaft zu übernehmen.
Gudrun Baumann-Sturm
Raubling