Zum Bericht „Schon 300.000 Reliquien-Pilger in Assisi“ (Panorama):
Ostern. Christen feiern Auferstehung. Da kann schon einmal die Gretchenfrage aus Goethes Faust 1 aufkommen: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ Vielleicht wäre ja sogar ein österlicher Perspektivenwechsel eine Option, um aus dem gegenwärtig lähmenden politischen wie auch wirtschaftlichen Herumgeholze herauszufinden. Einer, der in diesem Sinne vor 800 Jahren wegweisend aktiv wurde, war Bruder Franz von Assisi, dessen Barmherzigkeit, Menschen- und Naturliebe heutzutage aktueller denn je ist.
Mit Augen der Liebe setzte er sich nicht nur für Arme und Hilfsbedürftige ein, sondern er wünschte sich zudem als Brückenbauer einen respektvollen Umgang zwischen Muslimen und Christen. Sein Treffen mit dem ägyptischen Sultan Malik al-Kamil in Damiette im Jahre 1219 initiierte möglicherweise den Beginn des christlich-islamischen Dialogs.
Franziskus war kein Machtmensch. Im Sonnengesang drückte er vielmehr sein Bewusstsein aus, ein Teil von einem größeren Ganzen zu sein. Dies macht ebenso Peter Gabriel für sich deutlich (i/o, 2023, Übersetzung): „Ich bin einfach ein Teil des Ganzen. […] Die Liebe wird strömen. Daran habe ich keinen Zweifel.
Hans Jürgen Langer
Rosenheim