Zu den Berichten und Leserbriefen über die hohen Benzinpreise und die Energiewende (Politikteil und Leserbriefseiten):
Wir standen heute im Stau – vor einer Tankstelle in Österreich! Dieselpreis bei uns: 2,50 Euro, beim Nachbarn: 2,20 Euro. Haben die andere Lieferanten oder eine Regierung, die zu ihren Bürgern hält? Wir sind Rentner, wegfahren und Gastronomie aufsuchen geht nicht mehr. Verdi ist wahrscheinlich mit den Ölmultis im Bunde: Streik. Jeder soll mit dem Auto fahren, keine Öffis! Warum schaltet sich da eigentlich unsere tolle Regierung nicht ein? Na klar, am Sprit wird ja verdient und nicht zu knapp.
Günter Vogel
Vogtareuth
Es ist einfach unverständlich, warum man nicht die einfachste Lösung zur Senkung der Spritpreise nimmt. Pro Liter Sprit werden 60 Prozent Steuer abgeführt. Würde man vorübergehend, solange die Krise besteht, die Steuern auf nur 40 oder 30 Prozent verringern, hätte man dieselben Einnahmen durch die Teuerung wie bisher. Mit einer sofortigen Senkung wäre damit den Bürgern und der Wirtschaft (auch in zusammenhängenden Bereichen) sehr geholfen. Außer, man will auch noch dabei selbst mitverdienen. Geld wird ja überall in anderen Bereichen benötigt. Eine spätere Kilometer-Pauschale (erst 2027) ist keine effektive Lösung.
Anton Hötzl
Heldenstein
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre müssen wir erfahren, dass die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen für Deutschland nicht gut ist. Während die Ampel das 2022 ganz gut hinbekommen hat und die Gasspeicher gut gefüllt waren, hat Frau Reiche das offensichtlich verschlafen. Gerade mal bei 20 Prozent steht der Speicherstand. Und die nächste Heizperiode kommt schneller, als man denkt.
Aber vielleicht ist das auch eine gute Tat für ihren ehemaligen Arbeitgeber, der sich dann im Herbst die Taschen vollstopfen kann. Zudem sie ja auch bei der Energiewende energisch auf die Bremse tritt und das mittlerweile breit akzeptierte Heizungsgesetz so aufweicht, dass man sich bald wieder eine neue Öl- oder Gasheizung einbauen darf.
Fast schon lächerlich wirken da die Beschwerden der bayerischen Windkraftbremsen aus früheren Tagen, Söder und Aiwanger, die mittlerweile so tun, als wäre ihnen das Windrad schon immer ein Anliegen gewesen.
Viele Verbraucher sind keinen Cent besser. Wahlfreiheit fordern – und wenn das mal in die Hose geht, soll der Staat wieder den Sprit subventionieren. Tempolimit oder einfach mal freiwillig langsamer fahren, scheint keine Option zu sein. Aber vielleicht nimmt doch mal jemand einen Atlas zur Hand und stellt fest, dass die Sonne nicht die Straße von Hormus oder andere kritische Versorgungswege durchqueren muss, sondern einfach und kostenlos viele Stunden im Jahr von oben direkt auf Deutschland herunterscheint.
Ulrich Eiwan
Amerang
Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, lehnt zur Begrenzung der derzeit überhöhten Benzin- und Dieselkosten eine Senkung von Energiesteuer, CO2-Abgabe oder der Mehrwertsteuer ab. Alternativ erwägt sie eine Erhöhung der Pendlerpauschale. Was für ein Affront gegenüber den bereits vielen an der Armutsgrenze befindlichen Rentnern, welche von einer Erhöhung der Pendlerpauschale in keiner Weise profitieren werden und somit wieder einmal wegen unprofessioneller Ministerienpolitik die Arschkarte ziehen würden.
Johann Pelzl
Rosenheim
Wenn man die Diskussion momentan verfolgt, könnte man meinen, dass es ein Menschenrecht auf billige Spritpreise gäbe. Die aktuelle Situation an den Tankstellen war absehbar: Bereits vor 14 Jahren führte die iranische Marine Seemanöver zur Sperrung der Straße von Hormus durch und beschoss dort Öltanker. Die Folge waren sprunghaft ansteigende Energiepreise. Eine Sicherheitsstudie der Bundeswehr stufte bereits 2010 die hohe Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieimporten als erhöhtes Sicherheitsrisiko (97 Prozent bei der Mobilität) ein.
Wer also mit halbwegs wachen Augen in den vergangenen zehn Jahren durch die Welt gegangen ist, konnte das aktuelle Szenario deutlich voraussehen.
Heute gibt es zum Glück Alternativen zu fossil betriebenen Verbrennern: heimischen Strom aus erneuerbaren Energien. Das günstigste elektrische Einstiegsmodell ist neu schon ab 17.000 Euro und gebraucht deutlich unter 10.000 Euro zu haben.
Es sind meistens nicht die Geringverdiener, die gelernt haben, kreativ mit engen Budgets umzugehen, sondern eher die Fahrer hubraum-/PS-mächtiger SUVs und Luxuslimousinen, die jetzt mehr für ihre Bequemlichkeit und ihre durstigen Statussymbole bezahlen müssen.
Wer Spritpreise drücken will, muss die Nachfrage drosseln, also auf Stromer umsteigen oder eben einfach langsamer fahren. Aber schon ein Vorschlag für ein allgemeines Tempolimit verursacht in Deutschland kollektive Schnappatmung.
Die Solidarität von 1973, als die deutsche Bevölkerung Sonntagsfahrverbote zelebrierte, um den Ölscheichs zu zeigen, wo der Hammer hängt, bekommen wir wohl heute im Zeitalter der Bleifuß-Egomanen nicht mehr hin.
Georg Beyschlag
Grassau
Die Klimaerwärmung müsse „jetzt gestoppt“ werden, fordert ein Leserbriefschreiber in seiner Philippika gegen die Kernkraft. Er behauptet, die „Herstellungskosten“ für Windkraft seien „mit 4 bis 6 Cent/kWh unschlagbar günstig“. Wirklich?
Schauen wir uns unser weithin sichtbares Feldkirchner Windradl in Höhenrain an: Dort liegt die – für 20 Jahre garantierte – Einspeisevergütung bei exakt 11,31 Cent/kWh. Das sind die Herstellkosten für uns als Steuerzahler. Wir zahlen also das Doppelte des im Leserbrief herbeifantasierten Preises. „Unschlagbar günstig“ sieht anders aus.
Auch ist dieses Windradl kein Einzelfall. Die drei Hofoldinger Forst-Räder werden mit dem gleichen Satz vergütet. Da Bayern fast überall Schwachwindgebiet ist, ist es bei den meisten der von Söder/Aiwanger propagierten 1.000 bayerischen Windräder ähnlich. Bundes-Umweltminister Schneider will sogar 2.000 neue Windräder bauen lassen, und zwar bevorzugt in windschwachen Regionen. Sprich: Windräder mit noch höheren Strom-Herstellkosten als in Feldkirchen.
Die dazu notwendigen Milliarden werden diskret über einen eigens eingerichteten Fonds zur Verfügung gestellt, der mit neuen Schulden gefüllt wird. Wer wirklich Strom zu „unschlagbar günstigen“ Herstellkosten haben will, hätte die Abschaltung von Isar-2 verhindern müssen. Dieses Kraftwerk lieferte jahrzehntelang störungsfrei günstigen Strom. Der Betreiber hat in 2022/23 mehrmals die Bereitschaft signalisiert, den Weiterbetrieb zu organisieren. Die dabei im Raum stehenden 6 Cent/kWh hätte man bei ernsthaften Verhandlungen durchaus noch drücken können. Man wollte aber keinen günstigen Strom, man wollte den Bürger mit teurem Strom im Regen stehenlassen.
Mathilde Stenner
Bruckmühl
Als Annabrunner bin ich nach Lektüre des Artikels doch erleichtert: Nachdem uns die Gemeinde Polling in der ablaufenden Legislatur mit einem Solarpark im Süden und einem Baugebiet im Westen beglückt, denkt nun zum Ende der Wahlperiode auch die Stadt Mühldorf an unseren idyllischen Ort und spendiert uns zum Ausgleich im Osten noch einen 80 MW-Batteriespeicher. In Altmühldorf sei ein solcher zu sehr einsehbar, und so kam man in Mühldorf zu der Einsicht, dass die Tegernau bei Annabrunn der geeignete Standort sei.
Als Annabrunner ist das jedoch nur schwer einsehbar, soll der Speicher doch nicht einmal 200 Meter vom Naturschutzgebiet „Innauen“ und weniger als 100 Meter von den nächsten Wohnhäusern entfernt entstehen. Aber Hauptsache, erst mal weg von der Mühldorfer Wohnbebauung.
Was ist für Annabrunns Norden geplant, um ein „gleichmäßiges“ Ortsbild zu gewährleisten? Ein Windrad etwa? Dies würde mit seiner Höhe den Weitblick ins Tal für die Altmühldorfer auch zu sehr beeinträchtigen und somit nicht ins Mühldorfer Stadtbild passen. Vielleicht doch lieber eines der von unserem verehrten Ministerpräsidenten favorisierten Mini-AKW am Inn bei Starkheim? Ein solches sollte die Weitsicht der Mühldorfer nicht zu sehr stören. Und die Erreichbarkeit für die Arbeiter und die Versorgung mit Brennstäben wäre über die Innfähre auch gesichert.
Das Mühldorfer Naherholungsgebiet kann dann vom Inn an den Innkanal und die Nordtangente umziehen, landschaftlich reizvoll wäre es ein Frevel, wenn man dieses Idyll durch einen Batteriespeicher zerstören würde.
Wir bedanken uns bei allen verantwortlichen Bürgermeistern sowie Gemeinde- und Stadträten für so viel Einsicht und Weitblick.
Günther Schuhbeck
Polling-Annabrunn