Zum Bericht „Zu hoher Konsum von Online-Videos“ (Politikteil):
Es geht um zwei sehr widersprüchliche Meldungen in den Medien. Auf der einen Seite wird festgestellt, dass vor allem Jugendliche sich im Internet regelrecht verlieren – und auf der anderen Seite wird in Studien davon gesprochen, dass Jugendliche sich sehr einsam fühlen.
Dies ist allerdings nur vordergründig ein Widerspruch. In der Wissenschaft gibt es den Begriff des „Mismatch“. Gemeint ist damit ein allgemeines Unwohlsein über bestimmte Verhältnisse. Offensichtlich ist etwas in die Schieflage geraten. Wir Menschen tragen in uns eine lange Tradition, die sehr weit in unserer Geschichte zurückreicht: in die lange Zeit vor der Erfindung der Schrift oder des Baus von Kulturdenkmälern. Diese frühe Zeit umfasst aber 99 Prozent unserer Menschheitsgeschichte. Sie ist tief in uns verankert und sehr wirkmächtig.
Denken wir nur daran, dass jedes Wochenende Millionen Menschen aus den Großstädten in die Natur strömen, um sich in einer grünen Umgebung zu erholen. Eigentlich braucht man sich darüber nicht zu wundern, waren wir Menschen doch den größten Teil unserer Geschichte von Grün umgeben. Viele weitere Beispiele gäbe es dazu.
Unsere digitale Welt ist eine künstliche, sie ist nicht gleichwertig mit der analogen. Kinder und Jugendliche sollten sich aus diesen Gründen überwiegend in der analogen Welt bewegen, Erfahrungen in der Natur und mit anderen Kindern sammeln.
Diese Begegnungen können nicht durch die digitale Welt ersetzt werden. Aus diesem Grunde sind Bestrebungen, den Gebrauch von Handys möglichst hinauszuschieben, sehr zu begrüßen. Alkoholsucht bekämpft man nicht durch Alkoholtrinken, sondern durch die Einsicht, dass Alkohol dem Körper schadet. Genauso ist es mit dem übermäßigen Gebrauch von Handys.
Josef Grundner
Stephanskirchen