Optimierung des Bestands statt Neubau

von Redaktion

Zum Bericht „Bundestag berät Nordzulauf im Sommer“ (Regionalseiten):

Die „Parlamentarische Befassung“ soll darüber entscheiden, ob und wie die Planungen zum Brenner-Nordzulauf (BNZ) fortgesetzt werden. Dabei geht es um ein Riesen-Projekt, das nach Schätzungen der Bahn zehn bis 15 Milliarden Euro kosten soll, am Ende nach den Erfahrungen von Stuttgart 21 und Münchener 2. Stammstrecke aber eher 20 bis 30 Milliarden.

In Zeiten, in denen die Infrastruktur der Deutschen Bahn in katastrophalem Zustand ist und gerade noch die Hälfte der Fernzüge pünktlich ist, muss die Bahn die beschränkten Mittel zur Sanierung des Bestands verwenden. Und verantwortungsbewusste Politiker dürfen nicht weiter Geld für ein unnötiges Monsterprojekt genehmigen, das offensichtlich mehr schadet, als nutzt.

Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher fordert zu recht, dass zunächst die Bestandsstrecke so weit ertüchtigt werden soll, dass der Brenner-Basis-Tunnel (BBT) seine Aufgabe erfüllen kann. Völlig irreführend ist dagegen seine Behauptung, es gäbe „Fortschritte beim Südzulauf“. In Italien wird der BBT bis Franzensfeste 2032 oder 2034 fertiggestellt, dann gibt es einen kurzen Tunnel bis Waidbruck und geplante Umfahrungen von Bozen und Trient. Das ist aber nur ein kleiner Bruchteil der rund 180 Kilometer langen Strecke des gesamten Südzulaufs von Franzensfeste bis Verona. Der größte Teil ist und bleibt zweigleisig.

Deutschland ist auch kein „Hemmschuh“ für den BBT, wenn man statt auf Neubau auf Optimierung des Bestands setzt. Das sinnvollste Ergebnis der Parlamentarischen Befassung wäre es, auf die BNZ-Neubaustrecke zu verzichten und stattdessen die beschleunigte Fertigstellung der Verbindung München – Mühldorf – Salzburg (ABS38) und unverzügliche Optimierung der Bestandsstrecke Grafing – Rosenheim – Kufstein zu veranlassen.

Prof. Dr. Roland Feindor

Rosenheim

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