Gedanken zum Tag der Vielfalt: Erst aus Vertrauen entsteht Mut

von Redaktion

Zum Tag der Vielfalt am 19. Mai (Regionalseiten):

Jeder Mensch und jedes Kind bringt seine ganz eigene Geschichte mit in diese Welt. Eigene Erfahrungen, Gefühle, Stärken, Unsicherheiten und eine Art, die Welt zu sehen, die niemand sonst genauso hat. Genau das macht uns als Gesellschaft so besonders – auch wenn wir das im Alltag manchmal vergessen.

In meiner Arbeit mit Kindern wird mir jeden Tag immer wieder bewusst, wie wichtig es ist, nicht zu vergleichen oder vorschnell zu beurteilen. Viel wichtiger ist es, sich die Zeit zu nehmen, wirklich hinzuschauen: Wer bist du gerade? Was beschäftigt dich? Wobei leuchten deine Augen auf? Und wo brauchst du vielleicht noch etwas Zeit, Geduld oder einfach jemanden, der an dich glaubt?

Vielfalt bedeutet für mich nicht nur, Unterschiede zu akzeptieren. Vielfalt bedeutet, sie zu sehen, zu achten und sie wertzuschätzen. Denn jedes Kind bringt etwas Eigenes mit, das wertvoll ist – auch wenn es nicht immer laut oder sofort sichtbar ist. Manchmal sind es die leisen Kinder, die die stärksten Gedanken haben. Manchmal sind es die unruhigen Kinder, die einfach nur verstanden werden wollen.

Wenn ein Kind spürt: „Ich darf so sein, wie ich bin“, passiert etwas ganz Besonderes. Dann entsteht nämlich Vertrauen. Und aus diesem Vertrauen entsteht Mut – Mut, Neues auszuprobieren, Fehler zu machen und weiterzugehen. Genau dort beginnt Entwicklung.

Der Tag der Vielfalt erinnert mich daran, dass Inklusion keine Aufgabe ist, die man einmal erledigt, sondern eine Haltung, die man jeden Tag lebt. In kleinen Momenten: im Zuhören, im Ernstnehmen, im geduldigen Begleiten und im Vertrauen darauf, dass jedes Kind seinen eigenen Weg finden darf. Für mich bedeutet das, Kinder nicht in eine Form zu drücken, sondern ihnen Raum zu geben, sie zu begleiten und ihnen zu zeigen: Du bist wichtig. Du bist richtig.

Joshua Radlmaier

Babensham

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