Suche nach der Schwarmintelligenz

von Redaktion

Zum Leserbrief „Kritik als Hass dramatisiert“ (Leserbriefseiten):

Der Leserbriefschreiber will der AfD eine Chance zum Regieren geben. Er wirft den Politikern vor, Angst um ihre „Pfründe“ zu haben, verharmlost dabei die Vorhaben der extremen Rechten, welche mit völkischem Nationalismus unsere Demokratie abbauen will. Sowohl der EU als auch der NATO soll es an den Kragen gehen. Eine Nähe zu Russland, auch Sympathie zum Autokraten Trump ist nicht zu übersehen.

Die sogenannte Alternative profitiert derzeit von den Fehlern der Koalition. Hilfestellung bekommt die AfD leider auch teilweise durch die Medien. Sie „schonen“ meiner Einschätzung nach eher die AfD und arbeiten sich an den derzeit Verantwortlichen ab. Das alles sollte nicht dazu führen, dass ein Wähler nur aus Protest und persönlicher Unzufriedenheit dieses Risiko eingeht. Die AfD ist keine Alternative.

Man sollte sich unbedingt über sie informieren. Dabei wird manches klarer. Sie will Deutschland verändern, in bewährte Errungenschaften und Institutionen massiv eingreifen.

Ich frage: Ist der Leserbriefschreiber noch zu überzeugen, dass diese Alternative nicht zum Zuge kommen darf? Ich wünsche mir das. Bei aller Kritik über die nationale und internationale Situation: Die überwiegend demokratische Mehrheit in unserem Land ist in der Lage, richtig zu wählen.

Gottfried Thalmeier

Rosenheim

Laut dem Verfasser dieses Leserbriefes würde im Moment fast ein Drittel die AfD wählen, die damit mit Abstand die größte Partei Deutschlands wäre, was für Schwarmintelligenz und die Weisheit der Vielen spräche. Abgesehen davon, dass die AfD etwa bei 27 Prozent und damit drei Prozentpunkte vor der CDU/CSU liegt, was die Rechenkünste des Autors als klare Übertreibung erweist: Bei den Reichstagswahlen vom Juli 1932 erreichte die NSDAP 37,3 Prozent, also mehr als ein Drittel: War das dann auch Schwarmintelligenz? Momentan würden zudem 73 Prozent die AfD nicht wählen. Welche Weisheit ist das?

In der AfD wird die Remigration gefordert: 2025 lebten in Deutschland 25,8 Millionen Menschen, also 31,1 Prozent der Bevölkerung, mit einem Migrationshintergrund. Genau auf die Remigration angesprochen, erklärte Herr Höcke im Dezember 2023 in Gera: „Wir werden auch ohne Probleme mit 20, 30 Prozent weniger in Deutschland leben können. Das halte ich für ökologisch sogar sinnvoll.“

Die Folgen der Remigration wären wirtschaftlich allerdings verheerend: Fachkräftemangel, Wohlstandsverlust, Belastung der Sozialsysteme und so weiter.

Dazu kommt immer wieder die Forderung nach dem Dexit: Laut IW würde das Deutschland 690 Milliarden Euro kosten. Führende Wirtschaftsvertreter und Ökonomen warnen trotz aller Unzufriedenheit mit der Koalition vor der Wirtschaftspolitik der AfD, die auch alles andere als arbeiterfreundlich ist. Zum Beispiel war die AfD gegen die Erhöhung des Mindestlohns und will vor allem hohe Einkommen entlasten.

Zum Schluss eine ernst gemeinte Frage: Welche Partei hätten wohl viele Anhänger der AfD 1932 unter dem Eindruck der katastrophalen Weltwirtschaftskrise gewählt?

Bernward Schmidt

Prutting

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