Zum Bericht „Schulen haben andere Probleme“ (Politikteil):
Beim Lesen von Olaf Zimmermanns Kritik am aktuellen Zustand unserer Schulen möchte man am liebsten direkt in den nächsten Fjord springen. Die Debatte um die Hymnen-Pflicht wirkt da fast wie das Polieren der Schilder, während das Langschiff bereits munter Wasser zieht. Aber keine Sorge, Hilfe naht aus einer völlig unerwarteten Epoche: nämlich auf der Comic-Seite.
Ein paar Seiten nach der Bildungs-Misere erfahren wir nämlich Erstaunliches über Hägar den Schrecklichen. Wer hätte gedacht, dass der bärtige Plünderer mindestens die fünfte Klasse besucht hat? Der Beweis ist erbracht, da ihn eine alte Schulfreundin an die „Extra Portion Essen auf dem Tablett“ erinnert.
Daraus ergeben sich zwei bahnbrechende Erkenntnisse für unsere heutige Bildungsdebatte. Prioritäten setzen: Hägar kann bis heute weder lesen noch schreiben, hat es aber zum gefürchteten Expeditionsleiter gebracht. Sein Fokus lag offensichtlich schon in der 5. Klasse auf der Logistik (Essen schmuggeln) statt auf der Lyrik. Vielleicht sollten wir die Hymnen-Pflicht durch eine „Extra-Portion-Pudding-Pflicht“ ersetzen? Ein satter Schüler meutert seltener.
Beständigkeit des Scheiterns: Wenn Hägar trotz Schulbesuch Analphabet geblieben ist, beweist das doch nur eines: Das Schulsystem war schon zu Zeiten, als noch Drachen die Pausenhöfe unsicher machten, keinen Deut besser als heute.
Zimmermann hat also recht, wenn er den Zustand der Schulen kritisiert. Aber wir können uns trösten: Wenn es Hägar trotz Bildungsnotstand zum Eigenheim mit eigener Raubzug-Flotte gebracht hat, besteht für unsere Jugend ja noch Hoffnung. Man muss nicht lesen können, um zu wissen, wo der Barthel den Most – oder Hägar den Met – holt. In diesem Sinne: Skål auf das Bildungswesen!
Albrecht Kunze
Penzing