Zu den Berichten über den JVA-Skandal in Gablingen (Bayernteil):
Der Gablinger JVA-Skandal nimmt inzwischen ungeahnte Ausmaße an und gewinnt zunehmend an Monstrosität, die bisher nicht vorstellbar war. Seit über drei Jahren wird bereits ermittelt und ein Ende scheint nicht absehbar. Warum dauert das so lange? Es kann nicht sein, dass die Täter der dort verübten Grausamkeiten immer noch nicht ihrer gerechten Strafe zugeführt worden sind. Und was ist in Gablingen noch alles passiert? Darf man, muss man von einem Folterknast sprechen – und das mitten in Deutschland?
Denn wie mit äußerster Brutalität und Inhumanität hier mit Menschen hinter Gittern umgegangen wurde, macht sprachlos und erfüllt einen auch mit Angst, was in diesem Staate inzwischen alles möglich ist. Und wer garantiert einem, dass Gablingen wirklich ein Einzelfall ist? Oder ist Gablingen überall oder zumindest an vielen Orten? Wer übt eigentlich die Kontrolle über das Verhalten der Justizbediensteten aus? Und erfolgt diese wirklich unangemeldet? Man hat da jetzt seine Zweifel. Und diese wachsen, wenn mitgeteilt wird, dass auch die frühere Vizeleiterin des Gefängnisses in den Skandal verwickelt ist.
Ich lese, die Bediensteten hätten, so schreiben sie selbst, „grundlos mal zugewuchtet“, „abgewürgt“, oder „paar aufs Maul“ gegeben. Und das habe ihnen „Spaß“ gemacht. Gefangene hätten nackt Kniebeugen machen müssen, wären nackt in Zellen, die ich Verliese nenne, tagelang im Dunkeln weggesperrt worden und konnten sich nicht waschen.
Man sagt, den Charakter eines Staates erkenne man daran, wie er mit seinen Minderheiten umgehe. Derartiges kennt man bisher aber nur aus Diktaturen, wo es für Gefangene keinerlei Rechte mehr gibt.
Auf welchem Boden ist diese extreme Gewalt entstanden und wie konnte sie im Dienst des Staates solche Ausmaße annehmen?
Andreas Salomon
Rosenheim