Bräuche haben sich immer verändert

von Redaktion

Zum Leserbrief „Veraltete Unarten statt kulturelles Erbe“ (Leserbriefseite):

Bravo! Diesem Leserbrief ist voll und ganz zuzustimmen. Wie schnell wird etwas zu Tradition und Brauchtum erklärt. In derselben Ausgabe wird das große Waldfest-Abc, beginnend bei „A wie Arschplattler“ abgedruckt. Der gehört wahrscheinlich auch zum jahrhundertealten oberbayerischen Brauchtum. Und ja, die Welt ist voll von offenem und verstecktem Sexismus sowie Frauenfeindlichkeit. Dazu zählt zum Beispiel auch die versteckte Abwertung von Mädchen und Frauen durch die Aufwertung der Buben und Männer. (Bestes Beispiel: die römisch-katholische Kirche).

Bräuche waren nie feststehende Rituale, sondern haben sich immer verändert. Mal wurden neue „erfunden“, siehe obiger „Arschplattler“, mal sind alte verschwunden. Der Weisertwecken war in Zeiten, als die Ernährung nicht sichergestellt war, als kräftigende Nahrung für die Mutter gedacht. Und die ist nach der Geburt eines Mädchens nicht weniger geschwächt als nach der Geburt eines Buben. Und was ist überhaupt los, wenn sich 25 Jahre später herausstellt, dass nicht der erstgeborene Sohn, sondern die drittgeborene Tochter den Hof übernimmt?

Hans Winhart

Tuntenhausen

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