Falsche Annahmen beim Brenner-Nordzulauf

von Redaktion

Zum Bericht „Teuer, schädlich, schöngerechnet: Rosenheims Bürgerinitiativen greifen Brenner-Nordzulauf an“ (Regionalseiten):

Aus der jahrelangen Diskussion und Berichterstattung über die Notwendigkeit einer Neubaustrecke zur Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene erkenne ich folgende falschen Annahmen: Der mit Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels erwartete Mehrverkehr kann ohne Neubau einer teuren, aufwendigen Neubaustrecke nicht bewältigt werden. Das ist falsch, denn der zunächst wirklich mögliche Mehrverkehr kann auf der Strecke Kufstein-Rosenheim problemlos gefahren werden. Eine Entlastung des Abschnittes Rosenheim-München durch die Ausbaustrecke München-Mühldorf-Salzburg ermöglicht die Weiterführung des Brennermehrverkehrs ins deutsche Bahnnetz. Der sinnvolle Ausbau der bestehenden Strecken Rosenheim-Mühldorf-Landshut ermöglicht einen östlichen Nord-Südkorridor, ermöglicht eine weitere Steigerung des Verkehrs und entlastet den Bahnknoten München.

Auch falsch ist die wiederholte Meinung, dass durch die Neubaustrecke die Siedlungsgebiete an den bestehenden Strecken von Schienenverkehrslärm entlastet werden. Richtig ist, dass über die Neubaustrecke hauptsächlich die schnellen Personenfernverkehrszüge fahren werden. Im Ergebnis fahren dann weiter viele Güterzüge auf den bestehenden Strecken und Rosenheim wird vom schnellen Personenverkehr abgekoppelt. Außerdem wird nicht verstanden, dass der Ausbau einer bestehenden Strecke für mehr Verkehr Schallschutzmaßnahmen gewährleistet, die den Schienenverkehrslärm gegenüber dem heutigen Zustand vermindern. Abschließend möge man sich Gedanken machen über die Tatsache, dass bereits heute 30 zusätzliche Güterzugtrassen möglich wären, diese aber trotz Blockabfertigungen nicht genutzt werden. Ist die Bahn einfach zu teuer und fehlen geeignete Umlademöglichkeiten?

Gerhard Müller

Rosenheim

Die Bürgerinitiativen sagen: „Es gibt in diesen Zeiten Wichtigeres als eine zweifelhafte Neubaustrecke.“ Vielleicht ist es an der Zeit, dass sich Stadt, Landkreis und die Politiker der Region an die gemeinsamen Kernforderungen vom 28. Februar 2024 zu den Plänen der Bahn erinnern. Dort steht ganz am Anfang: „Der Landkreis Rosenheim fordert die Erbringung des grundsätzlichen Nachweises dafür, dass für die Umsetzung des Brenner-Nordzulaufs die Errichtung einer Neubaustrecke tatsächlich erforderlich ist. Kann dieser Bedarfsnachweis nicht erbracht werden, ist das Projekt aufzugeben.“

Jetzt ist es so weit. Im offiziellen Dokument des Bundes-Verkehrsministeriums (BMV) vom 16. Februar 2026 zu einer Nutzen-Kosten-Nachbewertung des Brenner-Nordzulaufs werden im Planfall für die Strecke Rosenheim – Kufstein entsprechend dem geplanten Deutschlandtakt im Einzelnen benannte 140 Personenzüge und 148 Güterzüge pro Tag dargestellt. Insgesamt sind das 288 Züge pro Tag. Offensichtlich ist damit auch vonseiten des BMV nachgewiesen, dass eine Neubaustrecke nicht erforderlich ist, da 288 Züge pro Tag selbst auf der nicht verbesserten Bestandsstrecke ohne Probleme durchgeführt werden können. Also „ist das Projekt aufzugeben“.

Die Kernforderungen verlangen unabhängig von der Neubauplanung die sofortige Durchführung von Lärmschutzmaßnahmen an der Bestandsstrecke nach Neubaustandard, Ausbau der Bestandsstrecke mit ETCS, Fertigstellung der ABS 38 (Bahnstrecke München – Mühldorf – Salzburg) sowie Ertüchtigung (insbesondere Elektrifizierung) der Strecke Rosenheim-Mühldorf-Landshut. Es ist höchste Zeit, diese sinnvollen und notwendigen Dinge zu tun. Das ist schneller, billiger und nachhaltiger als der maßlose und umweltschädigende Neubauplan.

Prof. Dr. Roland Feindor

Rosenheim

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