Dolcefarniente statt Schnellfahrrausch

von Redaktion

Zum Bericht „Nur ein Prestige-Objekt“ (Regionalseiten):

Bereits von Rosenheim aus ist die Strecke komplett verhackstückt. Bisher stieg man morgens in Rosenheim ein und abends in Rom aus. Ebenso konnte man früher morgens in Rosenheim in den ICE einsteigen und ohne Umsteigen abends in Amsterdam aussteigen. Jetzt soll diese Schnellbahn Rosenheim in weitem Bogen umkurven. Widerspruchlos hat die Stadt Rosenheim akzeptiert, vom internationalen Fernverkehr abgeschnitten und zur Regionalbahnprovinz degradiert zu werden.

Das ist der „wahre“ Fortschrittsglaube, der uns blind macht, zu sehen, was wir ständig an gewohnter Bequemlichkeit zugunsten hektischer Betriebsamkeit verlieren. So müsste man künftig zunächst mit der Regionalbahn nach Kufstein fahren und dort umsteigen. Weil aber die von München kommende Regionalbahn dorthin bereits mit der bei der Bayerischen Oberlandbahn üblichen Verspätung belastet sein kann, wird es unabdingbar, die im Stundentakt eine Stunde frühere Verbindung zu wählen und dann die Zeit am wenig einladenden Kufsteiner Bahnhof totzuschlagen.

So wird aus dem ohnehin lächerlichen Angebot der DB „Sie können in einer Stunde zum Cappuccino in Bozen fahren“ eine Fahrt von drei Stunden und man müsste sich sputen, am gleichen Tag noch nach Rosenheim zurückzukommen. Aber selbst das wird zur Utopie, denn bereits in Fortezza/Franzensfeste ist erst mal Schluss mit dem Schnellfahrrausch. Bis Verona müsste nämlich Italien sage und schreibe 60 Tunnels bauen – und bei der italienischen Finanzlage in Verbindung mit der Dolcefarniente-Mentalität wird dies zur unrealistischen Planvorstellung. In Fortezza ist daher zunächst einmal finale desolato.

Prof. Dr. Hilmar Mund

Brannenburg

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