Institutionelle Erhaltung statt moralische Klarheit

von Redaktion

Zum Bericht „Faulhaber steht online – nur eine Biografie fehlt“ (Weltspiegel):

Die historische Einordnung Kardinal Faulhabers bleibt ein notwendiges, schmerzhaftes Unterfangen. Die Forschung zeichnet das Bild einer zutiefst ambivalenten Figur, gefangen in einem moralischen Zwiespalt, der fatale Folgen hatte.

Faulhabers Handeln war geprägt von einer autoritär-konservativen Grundhaltung. Auf Basis seiner Auslegung des Römerbriefs (Kap. 13) sah er im Staat eine gottgewollte Ordnung, der Gehorsam geschuldet war. Diese theologische Verengung verbot ihm den Widerstand und lieferte dem NS-Regime in dessen entscheidender Konsolidierungsphase die notwendige Ruhe.

Sein Bestreben galt primär der Sicherung der Institution Kirche, ihrer Strukturen und Pfründe – oft auf Kosten der christlichen Ethik und der Verfolgten. Besonders entlarvend sind folgende Episoden: Als ein Schweizer Katholik dazu aufrief, für den Tod Hitlers zu beten, distanzierte sich Faulhaber empört und beteuerte, in allen Kirchen werde für das „Heil des Führers“ gebetet. Nach dem Attentat im Bürgerbräukeller 1939 übermittelte er Hitler ein Glückwunschtelegramm, in dem er dessen Überleben als „Großtat von unermesslichem Segen“ bezeichnete.

Während er sich über Gebete gegen den Diktator echauffierte, wurden in Hitlers Namen bereits Menschen entrechtet und ermordet. Für die Opfer des Regimes musste diese Haltung wie Hohn wirken.

Faulhabers opportunistisches Muster, vor Hitler dagegen, unter Hitler dafür, nach Hitler dagegen, entlarvt ein Verhalten, das den Schutz der Institution über die Wahrung der Menschlichkeit stellte. Es ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie eine Kirche, die ihre Rolle primär im Machterhalt statt im prophetischen Einspruch sieht, ihre moralische Glaubwürdigkeit verspielt.

Gudrun Baumann-Sturm

Raubling

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