Weiße Männer und schwarze Kunst

Zum Bericht „Magie und Martial Arts“ (Kulturseiten):

„Mutig“ würde ich die Ausstellung in der städtischen Galerie in Rosenheim bezeichnen. Nein, nicht wegen der visuell abgebildeten Inhalte der Plakate, sondern vielmehr wegen des Kontextes, der sich mit in der Kuration dahinter versteckt.

In unseren digitalen Zeiten, welche Geschlechterrollen und Kolonialismus aufarbeiten und reflektieren sollten, wird in der städtischen Galerie eine private Sammlung einer vermutlich europäischen Privatperson gezeigt, die seit 1999 gepflegt wird. Eine Ausstellung, die seit 2011 in Planung der Stadtgalerie war. Der Zeitpunkt jedoch könnte nicht ungeschickter sein: Wieso bezahlen Museumsbesuchende hier in Mitteleuropa Eintritt, um eine private Sammlung eines „weißen Mannes“ anzusehen von gesammelter „schwarzer Kunst“ aus dem westafrikanischen Ghana, wenn kulturelle Herkunft in unseren heutigen Museen so kritisch hinterfragt wird? „Weiße Männer“, so bezeichnete übrigens einer der ghanaischen Künstler ihre regelmäßig kommende Kundschaft.

Ich gehe in der Ausstellung umher, vorbei an den handgemalten ghanaischen Frisurvorlagen. Vorbei an den afrikanischen Skulpturen, die mich an den veralteten Begriff des „Primitivismus“ in unseren Kunstgeschichtsbüchern erinnern, der übrigens die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und die Abkehr der Modernität beschreibt. Ich komme zurück ins Eingangsfoyer mit einer Ansammlung von Fernsehern. Ein Filmtrailer wird auf einen Fernseher projiziert wie etwa „The Boy on the Line“ oder „The End of Money“. Diese kleinen, kurzen, aber sehr prägnanten Filmtrailer aus Ghana haben mich wirklich dazu animiert, mich mehr mit Nollywood auseinanderzusetzen und heute Abend einen „Nollywood-Klassiker aus den 2000er“ anzuschauen. Natürlich mit Popcorn.

Teresa Wagner

Nürnberg

Samstag, 11. Juli 2026
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